"Ostsee-Zeitung" - 02.06.2010:
Monteverdi-Chor glänzte in Warnemünde
Von HEINZ-JÜRGEN STASZAK
Warnemünde (OZ) In der Warnemünder Kirche gastierte erneut der Hamburger Monteverdi-Chor unter seinem Leiter Gothart Stier (72). Vor acht Jahren hatte er hier in einem großen chorsinfonischen Konzert Beethovens "Missa solemnis" aufgeführt. Diesmal widmete er sich ausschließlich seiner anderen Domäne, dem kunstvollen A-cappella-Gesang, dem mehrstimmtgen Gesang ohne instrumentale Begleitung oder Stützung.
Es erklangen fast ausschließlich Motetten, jene polyphone Form, in der sich vier bis acht Stimmen gegenseitig umschlingen, keine die Dienerin einer anderen ist, sondern sich jede selbstständig an der Ausdeutung des Textes beteiligt. Sie verlangt von einem Chor eine hohe gesangstechnische Kultur. Besonders dann, wenn - wie hier - Motetten aus vier Jahrhunderten, also aus jeweils verschiedenen stilistischen Horizonten, geboten werden.
Beide Herausforderungen hat der Chor hervorragend bewältigt. Gothart Stier führte ihn so, dass stets die Einzelheiten des Stimmengewebes erkennbar und zugleich seine Gesamttextur erlebbar waren. Dies war die Basis für die ausgeprägte und dennoch dezente Gestaltung der stilistischen Verschiedenheiten der Psalm- und Choraltextvertonungen. Die Motetten des Namenspatrons, des Venezianers Claudio Monteverdi aus dem Frühbarock, gewannen hier eine reine, klare und dennoch nicht kühle Durchsichtigkeit.
Anders dagegen, bei Wahrung der gleichen Polyphonen Transparenz, die Motetten aus der Romantik, die den Schwerpunkt des Programms bildeten. Hier wurden die Stimmen voluminöser, ihre Farben tiefer, die Dynamik sensibler. So zeigte sich bei Mendelssohn gleichsam der Triumph des Melodischen in der Polyphonie, bei Brahms eine strenge, bedrängende und zugleich tröstende Expressivität und bei Bruckner die Klangarchitektur einer fast schon magischen Spiritualität.
Ergänzt wurde dieses Zentrum von drei Motetten aus dem 18. Jahrhundert und einer Motette von Rudolf Mauersberger, dem Kreuzkantor aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts.
Ein bewegendes Konzert: bestechend in seiner hohen Kunstfertigkeit, berührend in der Klarheit seiner Ausdruckskraft.
Weihnachtliche Chormusik
"Hamburger Abendblatt" - 15.12.2009:
Biermann-Ratjen-Medaille an Gothart Stier
Hamburg. Für seine Verdienste um das Musikleben in Hamburg würdigt die Freie und Hansestadt den Chorleiter Gothart Stier mit der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille. Im Rahmen eines Konzerts des Monteverdi-Chors in der Laeiszhalle überreichte Kultursenatorin Karin von Welck gestern die Medaille. Gothart Stier, geboren 1938 in Magdeburg, habe als künstlerischer Leiter den Monteverdi-Chor entscheidend geprägt und zu einem wichtigen Botschafter der Musikstadt Hamburg weiterentwickelt. Unter seiner Leitung nahm der Chor zahlreiche Schallplatten und CDs auf, arbeitete mit renommierten Orchestern zusammen und erreichte Preise bei internationalen Wettbewerben. (HA)
Weihnachtliche Chormusik
"Magdeburger Volksstimme" - 14.12.2009:
Festliche Chormusik zum Advent
Monteverdichor Hamburg gastierte in Magdeburg
Von Liane Bornholdt
Der Hamburger Monteverdi-Chor gehört zu den Spitzenchören in Deutschland. Seit 1955, damals als Chor des Italienischen Kulturinstituts gegründet, bald aber in die Musikpflege der Universität Hamburg übernommen, widmet sich das Ensemble ganz besonders der Pflege des a-capella-Gesangs. Der Chor hat zahlreiche Preise gewonnen und gastiert weltweit.
Magdeburg. Am Sonnabend kamen die Hamburger mit einem festlichen Adventsprogramm in die Telemann-Konzerthalle im Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg. Das sehr gut besuchte Konzert führte musikalisch vom 17. bis ins 20. Jahrhundert, und die Sängerinnen und Sänger hatten dabei auch instrumentale Unterstützung.
Gemeinsam mit dem Monteverdi-Chor musizierte ein ganz junges Ensemble in der Klosterkirche, das Blechbläserquintett des Jugendsinfonieorchesters Sachsen-Anhalt. Hans Jacob und Anna-Sophia Köhn, Trompeten, Richard Teufel, Horn, Alexander Ditas, Posaune und Fabian Schulz, Tuba, eröffneten das Konzert mit einer Intrada von Melchior Franck.
Im Verlaufe des Konzertes erklangen noch eine feine Bearbeitung des Abendsegens aus Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel", sowie ein modernes, etwas jazziges Allegro resoluto von Victor Ewald, sowie eine frühbarocke Intrada von Johann Schulz. In der Weihnachtsmotette von Albert Becker und bei der gemeinsam mit dem Publikum gesungenen Zugabe "O, du fröhliche" spielten die Blechbläser gemeinsam mit den Sängern. Die jungen Musiker erfreuten mit Klangschönheit, nuancenreicher Dynamik und Stilsicherheit. Eine wunderbare Farbe, die das Chorkonzert unbedingt bereicherte.
Gothart Stier, der seit 1993 den Hamburger Chor leitet, gratulierte den jungen Blechbläsern und sagte, wie erfreulich es sei, dass immer wieder junge Musiker nachwachsen würden.
Aber natürlich war der Chorgesang das große musikalische Erlebnis dieses Abends. Schon mit dem Eingangslied, "Machet die Tore weit" von Andreas Hammerschmidt haben die Sängerinnen und Sänger das Publikum ergriffen. Bewegend im Ausdruck, dynamisch und frisch akzentuiert im Rhythmus sowie mit mühelos erscheinender sicherer Intonation ließ das alte Adventslied sofort die rechte Atmosphäre entstehen.
Wunderbar auch das doppelchörige Deutsche Magnificat von Heinrich Schütz oder die filigrane, sehr schwierige anonyme Lied-Motette aus dem 17. Jahrhundert "Du hast, o Jesulein, kein Bett". Gothart Stier fand immer gut bemessene Tempi, die all die komplizierten polyphonen Strukturen plastisch hervortreten ließen aber doch niemals auch nur in die Nähe von schleppendem Kirchengesang kamen. Sehr schön auch, wie er Pausen in der Kirchenakustik ausklingen ließ.
Ein im besten Sinne buntes Konzert.
Das gute Gespür für Akustik und Atmosphäre ließ auch die romantischen Chorwerke zu großer, gefühlvoller Kunst werden, etwa Rheinbergers "Prope es Dominus", Mendelssohns "Lasset uns Frohlocken" oder Bruckners berühmte Motette "Ave Maria". Ausgezeichnet, wie die stilistischen Verschiedenheiten deutlich wurden, etwa wenn der romantische Chorklang zu wunderbarer Harmonie zusammenfand oder in den barocken Chorfugen die einzelnen Stimmen miteinander "sprechen".
Die Sängerinnen und Sänger des Monteverdichores haben aus den unterschiedlichen Farben ein wirklich abwechslungsreiches und im besten Sinne buntes Konzert gesungen. Das wurde auch dadurch unterstützt, dass sich in der Programmfolge einige der schönsten und bekanntesten Weihnachtslieder sehr selten zu hörenden Chormusiken abwechselten, so dass sich anheimelnde Freude und musikalische Entdeckungen die Wage hielten. Ein wunderbares Adventskonzert, edel und festlich, mit einem ausgezeichneten Chor.
Mendelssohn: Elias
Ute Selbig, Sopran - Annette Markert, Alt - Martin Petzold, Tenor - Stephan Heinemann, Bariton
Staatskapelle Halle
"Leipziger Volkszeitung" - 03.11.2009:
Elias mit Monteverdi-Chor
Während eines Konzerts wird nicht geredet. Schließlich spricht schon die Musik. Gothart Stier tut es am Samstag während der Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias" dennoch: Mit stummen Lippen formuliert der Dirigent auf der Orgelempore der Leipziger Thomaskirche Anweisungen für das Orchester und den Chor. Weitaus beredter aber sind seine Mimik und seine Gesten. Die Staatskapelle Halle reagiert professionell und adäquat mit homogenen Streichern und farbigen Bläsern.
Der Monteverdi-Chor Hamburg kann noch viel mehr: Prompt begegnen die Sängerinnen und Sänger dem leisesten Fingerzeig ihres Leiters. Mit reifem Chorklang entwickeln sie so eine atemberaubende Dynamik, artikulieren sensationell zwischen eindringlichem Flüstern und angelegentlicher Deklamation, gestalten mit unschuldiger Schlichtheit, innig schwelgendem Liebreiz und kraftvoller Entschlossenheit, geschmeidigem messa di voce, schwingendem Glockenklang und veredelnder Eleganz.
Stephan Heinemanns warmer, heller Bass verleiht dem Elias tief empfundene Menschlichkeit und lässt das Publikum Anteil nehmen am Glauben und Flehen des Propheten. Hat die Substanz seines Klangvolumens im ersten Teil Mühe, sich in den dramatisch packenden Sätzen gegen das Orchester durchzusetzen, so schwingt Heinemann sich gegen Ende seines Kraft zehrenden Parts zu energischer Entschiedenheit und überzeugender Stimmkraft empor. Ute Selbig gestaltet ihren Part mit einem facettenreichen Sopran und bezaubert mit geradliniger Klarheit wie liebevoll filigranem Schmelz. Annette Marken (Alt) und Martin Petzold (Tenor) ergänzen das Solistenquartett mit differenzierter, empfindsamer Gestaltung.
Spannungsreich hat Mendelssohn die Geschichte um den Propheten Elias in Töne gesetzt - bei Stier ist sie ergreifend bis zum letzten Ton. Da platzt der Applaus schon in den Schlussakkord, dankt das Publikum in der gut besetzten Kirche lange und begeistert für ein rundum gelungenes Konzert.
Birgit Hendrich
Haydn: Die Schöpfung
Susanne Pütters, Sopran - Nicholas Sales, Tenor - Michael Dries, Bass
Staatskapelle Halle
Leitung: Karl-Heinz-Steffens
"Augsburger Allgemeine" (Online-Ausgabe) - 13.07.2009:
Himmlische Verklärung
Leben ist Licht: Packend sollte dies Haydns Oratorium "Die Schöpfung" im vollen Kirchenschiff der Friedberger Pfarrkirche St. Jakob am Freitagabend zum Friedberger Musiksommer zeitigen. Immer wieder faszinierend ist jene Synthese aus Kantate und Oper, aus Polyphonie und Koloratur, aus Symphonik und Rezitativ, die sich den Weg vom Chaos zum Kosmos bahnt.
Karl-Heinz Steffens schöpfte aus dem Vollen, einte beseelt die exzellenten Solisten, mit der Klangkultur des Staatsorchesters Halle und dem homogen geschmeidigen Monteverdi-Chor Hamburg, sodass diese Evolution zum Erlebnis wurde.
Welch großartiges Schöpfungs-Licht: Nicht allein die gleißende Lichtflut, die den C-Dur-hellen Tag gebiert, prägte sich tief ein, nein, dieses Licht brach spektral in vielen Tönungen auf: Strahlend ließ Nicholas Sales die "Rezitativ-Sonne" aufsteigen - im mystischen Gegenlicht der fahle Mondschein: groß die Artikulationskunst des feinfühligen Tenors. Lichtwerte zeigten sich schon im Spiel des Wassers, wie sie Michael Dries’ differenzierte Bassfülle stolz von den schäumenden Wellenkronen über Stromesglanz hin zum quecksilbrigen Bach kultivierte. Farbbrechungen, die auch Susanne Pütters zauberhafte Sopran-Anmut fein konturierte: Taghell stieg die Lerche auf, es war aber die Nachtigall, die voller Koloraturen-Schmelz berührte. Ja, zum Terzett vereint, krönten sie den Ruhm Gottes in melismatischer Gloriole.
Steffens - als Dirigent hier ebenso kongenialer Weltenbauer wie Weltkind in der Mitte - brachte tänzerische Leichtigkeit ins Spiel, lichtete die Partitur auf, sodass die Klangfarben des Orchesters prismatisch aufleuchteten: rein das Flötensilber, warm das Klanglicht der Klarinetten, das Kontrafagott in Nachtschwärze, edel der Goldglanz des Blechs, bernsteinfarben der Streicherfirnis.
Fein korrespondierte dieses Farbspektrum mit den Solisten und dem Monteverdi-Chor, der jetzt nicht elektrisierte, sondern elastisch biegsam die polyphone Jubelhelle des Elysiums fein zeichnete. Zuletzt ein verklärter Blick ins Paradies, wo Adam (Driess) und Eva (Pütters) selig Gott und der Liebe huldigten.
Ulrich Ostermeir
"Augsburger Allgemeine" (Online-Ausgabe) - 13.07.2009:
Bei der Schöpfung geht Lebenstraum in Erfüllung
Ob als Nationalhymne oder Klingelton auf dem Handy. Melodien von Joseph Haydn sind in aller Ohren. Doch sein Oratorium "Die Schöpfung" ist etwas ganz Besonderes und bewirkte auch beim Friedberger Musiksommer Ungewöhnliches. So ging mit der Aufführung in der Stadtpfarrkirche ein "Lebenstraum" eines englischen Sängers in Erfüllung und der Chor kam für den Auftritt extra aus Hamburg angereist.
Stadtpfarrer Markus Hau freute sich, dass die Schöpfung mit der von ihm erhofften "Power" zu hören war. Dafür sorgten fast 90 Mitwirkende der Staatskapelle Halle und der Monteverdi-Chor aus Hamburg unter Leitung von Karl-Heinz Steffens. Beide Ensembles hatten das große Oratorium extra für Friedberg einstudiert. Großartig fand es Steffens, wie Orchester und Chor in kurzer Probenzeit bei diesem schweren Werk zusammengefunden hatten. Dafür gab es nach dem Konzert zunächst einen brausenden Beifall und danach ein großes Kompliment von dem Dirigenten. Überzeugend waren als neue Stimmen beim Musiksommer Susanna Pütters (Sopran), Michael Dries (Bass) und Nicholas Sales (Tenor).
Karl-Heinz Steffens schöpfte aus dem Vollen, einte beseelt die exzellenten Solisten, mit der Klangkultur des Staatsorchesters Halle und dem homogen geschmeidigen Monteverdi-Chor Hamburg, sodass diese Evolution zum Erlebnis wurde.
Sales hat nach seinem Auftritt in Hermann Scherrüble vom Helferteam der Organisatoren "Bürger für Friedberg" einen Fan gewonnen, der selber singt. Für den Engländer ging ein großer Wunsch in Erfüllung. Er sprach sogar von einem "Lebenstraum". Erstmals durfte er die Schöpfung auf Deutsch singen. Seine Sorge, dass man einen englischen Akzent heraushören könnte, war völlig unbegründet.
Dafür gab es diesmal beim späten Abendessen der Musiker und Sänger nach dem Konzert neben Hallensischem erstmals auch Hamburger Zungenschlag zu hören. Denn auch die Sänger genossen die Gastfreundschaft des "Bürger für Friedberg"-Teams. "Das erleben Musiker nicht jeden Tag", sagte Dirigent Karl-Heinz Steffens.
Andreas Schmidt
Bach: Kantate Nr. 109 "Ihr werdet weinen und heulen"
Mendelssohn: Psalm 42 "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser"
Reger: Unvollendetes Requiem
Carola Höhn, Sopran - Elisabeth Wilke, Alt - Andreas Post, Tenor - Stephan Heinemann, Bass
Staatskapelle Halle
"Leipziger Volkszeitung" - 22.06.2009:
Orchestereinwürfe scharf wie Granatsplitter
Bach, Mendelssohn und Regers Requiem in St. Thomas
Zuerst tasten sich die tiefsten Bässe vor. Eine leere Quinte in den hohen Geigen legt sich über dieses unsichere Fundament wie kalter Nebel. "Requiem" klagt fahl ein Alt über dem Grund aus langsam erwachenden Chorstimmen, "Requiem" hallt es in Sopran und Tenor wider. Vor dem inneren Auge tauchen Bilder auf. Von tristen, kahlen Landschaften. Von Schützengräben. Von Hunger, Blut und Tod. Das ganze Orchester bäumt sich zu einem harmonischen Crescendo auf. Dies ist keine Bitte, es ist ein Appell.
Doch es wird die meiste Zeit schrecklich dunkel bleiben. Selbst das schwache Licht beim "Exaudi orationem meam" (Erhöre mein Gebet) zerfetzen Orchestereinwürfe scharf wie Granatsplitter. Nur einmal bricht ein Dur-Akkord mit übermächtigem, kaum zu ertragenden Strahlen aus dieser Finsternis: "Rex tremendae majestatis" (König schrecklicher Gewalten). Dann ein Bruch, Stille. Doch immer wieder setzt die Pauke von Neuem ein, kündet wie von fern ein Tritonus in den Trompeten von neuem Grauen ...
Diese überwältigende Musik ist der Klang eines tief sitzenden Traumas. Als Max Reger 1914/15 beginnt, das Requiem zu schreiben, ist der Erste Weltkrieg noch lange nicht vorbei. Die ersten Schreckensbilder von der Front sind für ihn offensichtlich aber schon entsetzlich genug, dass sie ihm eine solche Musik in die Feder zwingen. Doch das Werk bleibt unvollendet.
Am Samstagabend in der vollen Thomaskirche setzt der Bach-Choral "Es ist genug" den Schlusspunkt unter ein wahrhaft beeindruckendes Konzert. Der Monteverdi-Chor Hamburg ist - wie schon bei der vorher erklungenen Kantate "Ihr werdet weinen und heulen" BWV 103 und Felix Mendelssohns Psalm "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" - hervorragend einstudiert und widersteht dank der souveränen Leitung von Gothart Stier der Versuchung, sich von der puren Wucht des Werkes zum Forcieren verleiten zu lassen.
So sind auch in den lautesten Passagen noch Reserven zu erahnen, bleibt der Gesamtklang stets silbrig und entspannt. Großen Respekt auch dafür, wie die Solisten Carola Höhn (Sopran), Elisabeth Wilke (Alt), Andreas Post (Tenor) und Stephan Heinemann (Bass) die vielfältigen Aufgaben des Abends meistern. Die Staatskapelle Halle und Organist Michael Schönheit werfen sich voller Herzblut in das musikalische Schlachtengetümmel und zeigen ein atemberaubendes Spektrum an Klangfarben und dynamischen Möglichkeiten, vom leisesten Hauch der Streicher bis zum markerschütternden Ruf der letzten Posaune.
Tobias Wolff
Geistliche Chormusik zum Pfingstfest
"Ostthüringer Zeitung" - 02.06.2009:
Vollendete Chorkunst
Monteverdi-Chor Hamburg, ein Chor der Spitzenklasse
von Hans Lehmann
Jena. (tlz) Bereits zu DDR-Zeiten waren einem als Hörer des NDR die hohen Qualitäten des Monteverdi-Chores Hamburg bestens vertraut. Homogener Klang, Stilsicherheit und Textexegese, das Konzert am Pfingstsonntag in St. Michael unter Leitung von Gothart Stier wurde zu einem Festtagsgeschenk und machte Staunen.
Ausgeglichene Stimmregister vom klaren Sopran angefangen bis ins Fundament der Männerstimmen hinab, Markenzeichen hoher Chorkunst.
Mit Psalmmotetten des diesjährigen Jubilars Felix Mendelssohn Bartholdy wurden chorische Ausdrucksmöglichkeiten ausgelotet. Motetten der Thomaskantoren Christian Theodor Weinlig - er war der Lehrer von Richard Wagner - und Ernst Friedrich Richter rückten die tonschöpferische Vielfalt des 19. Jahrhunderts ins Bewusstsein. Liebhold, ein unbekannter Thüringer Motetten- und Kantatenkomponist des 18. Jahrhunderts, er harrt noch weiterer Entdeckung, hier mit der Motette "Befiel dem Herren deine Wege" vertreten. "Locus iste" und "Ave Maria" von Anton Bruckner hört man selten mit solch spannungsreicher Dynamik. Rudolf Mauersbergers beredter Stil sowie originäre Harmonik bei Reger beschlossen das Programm.
Denny Philipp Wilke steuerte Orgelmusik von Buxtehude in schlichter norddeutscher Architektur bei, das bekannte "Carillon de Westminster" von Louis Vierne an der Grenze des Virtuosen interpretiert, machte die notwenige Generalsanierung der Schuke-Orgel hörbar und ein Werk von Cesar Franck, bot französische Poesie. Die Begeisterung unter den Hörern war groß.
"Denn er hat seinen Engeln" von Mendelssohn als Zugabe und "Der Mond ist aufgegangen" beschlossen ein denkwürdiges Konzert vollendeter Chorkunst unter Leitung von Gothart Stier von bewundernswürdiger Kultur.
Allerdings wäre eine Wiedergabe von der Orgelempore akustisch besser gewesen - von den Baumeistern einst so geplant. Damit könnten die Halleffekte, die beim Musizieren von vorn entstehen, zugunsten besserer Durchhörbarkeit vermieden werden.
Adventskonzert
"Potsdamer Neueste Nachrichten" - 02.12.2008:
Fast ohne Bach
Monteverdi-Chor Hamburg sang in St. Nikolai
Das nennt man vorbildlich: Eine nach protestantisch-liturgischen Regeln zusammengestellte Folge adventlicher Chormusik. Auf seiner Chorfahrt nach Berlin und Potsdam machte der Monteverdi-Chor aus Hamburg am Sonntag in der Nikolaikirche halt. Wie man hörte, war deren Akustik, gemessen am Dom der Bundeshauptstadt, für den fünfundfünfzigköpfigen Chor eine Wohltat. Gothard Stier jedenfalls tat alles, der vollen Kirche in Potsdam mit der Programmfolge "O magnum mysterium" ein adventliches Erlebnis zu schaffen. Der Chor wurde 1955 von Jürgen Jürgens "zur Akademischen Musikpflege der Universität Hamburg" gegründet, Gothart Stier, zuvor als Kreuzkantor bekannt, übernahm ihn 1994.
Seine umfänglichen Erfahrungen mit der Chormusik im Allgemeinen und der A-capella-Kultur im Besonderen kommt den ausdrucksstarken Hamburgern offenbar sehr zugute. Man hatte sich zwanzig Parts aus fünf Musik-Jahrhunderten zur Pflicht gemacht. Nikolaiorganist Björn O. Wiede gab mit Mendelssohns Präludium und Fuge in d-Moll und seiner Improvisation zu dem Choral "Es kommt ein Schiff geladen" Möglichkeiten, an programmatischen Nahtstellen zu applaudieren.
Das Hamburger "Magno mysterio" begann mit Andreas Hammerschmidts Motette "Machet die Tore weit", frisch intoniert, mit leichtem Staccato. Vierstimmig folgte dann Michael Praetorius’ "Der Morgenstern ist aufgedrungen" recht sanften Tones. Der semiprofessionelle Chor zeigte, wie sicher und schön man einen Max Reger ("Unser lieben Frauen Traum") oder Johannes Brahms’ "O Heiland, reiß die Himmel auf" zu interpretieren versteht.
Nach dem ersten Orgelstück übertrafen Komponisten wie Francis Poulenc ("O magnum mysterium") und das wunderbare "Virga Jesse" von Anton Bruckner die traditionelle Literatur an Ausdruck und Innigkeit. Frisch, geradezu fröhlich ertönte Poulenc’s "Hodie Christus natus est", mit Rührung vernahm man Max Regers "Schlaf wohl, du Himmelsknabe", während Bachs "O Jesulein süß" wenigstens anfangs etwas fremd zu klingen schien. "Liturgisch" eingebettet war auch das schlichte "Zu Bethlehem geboren", ein fränkisches Volkslied in einem Satz von M. Georg Winter, doch über theologische Abläufe dieses neunzigminütigen Konzertes ist hier nicht zu befinden, auch nicht, wie gut sich Reichardts "Heilige Nacht" in den strengkomponierten Kontext der übrigen Literatur einfügte. Michael Praetorius’ "Es ist ein Ros entsprungen" beendete es auf recht traditionelle Art.
Sechzehn Komponisten unterschiedlichster Stile in ein überzeugendes Mit- und Nacheinander zu bringen, erwies sich als nicht unproblematisch. Lobenswert, es mal (fast) ohne den großen Bach zu versuchen, aber vielleicht hätte man dabei mehr seinem musikalischen Gefühl vertrauen sollen, als gewissen Formeln.
Gerold Paul
Chormusik aus Mitteldeutschland
"Magdeburger Stadtjournal" - 26.09.2008:
Chorkonzert zum Herbstanfang mit Musik aus Mitteldeutschland
Der Monteverdi-Chor Hamburg gastierte in der Johanniskirche
Der 1955 von Jürgen Jürgens gegründete Monteverdi-Chor Hamburg gehört zu den renommiertesten deutschen Chören. Am vergangenen Sonntag gab der Hamburger Chor ein Konzert zum Herbstanfang in der Magdeburger Johanniskirche. Schade nur, dass es nicht so gut besucht war, wie es der Chor verdient hätte. Aber vielleicht lag das daran, dass nur ein Wochenende zuvor das 12. Magdeburger Chorfest stattfand, was den Bedarf an guter Chormusik beim Publikum vielleicht gedeckt hat.
Der Dirigent Gothart Stier, gebürtiger Magdeburger, der kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, war von 1963 - 1991 als Kantor und Organist an der Friedenskirche in Leipzig-Gohlis tätig und trug außerdem mit seinen großen Oratorien-Aufführungen in der Thomas-Kirche wesentlich zum Musikleben der Stadt Leipzig bei. Von 1991 - 1994 war Gothart Stier als 27. Kreuzkantor Leiter des Dresdner Kreuzchores und danach übernahm er die künstlerische Leitung des Monteverdi-Chores Hamburg. Und dieser Chor, dessen Repertoire die gesamte Palette der Chormusik von der Renaissance bis zur Gegenwart umfasst und der zahlreiche erste Preise bei internationalen Wettbewerben errungen hat, konzertierte hier mit Chormusik aus Mitteldeutschland in schönster A-capella-Tradition.
Es waren u.a. Motetten von Felix Mendelssohn Bartholdy, Claudio Monteverdi, Johann Bach (ein Onkel von Johann Sebastian) Anton Bruckner, Rudolf Mauersberger und Max Reger zu hören. Eine gelungene Programm-Auswahl mit einer frischen Mischung aus traurig-schönen, flott-modernen und ernst-schwierigen Chorwerken. Auffällig an den rund 40 Chorsängerinnen und -sängern war die große Kultiviertheit und Homogenität ihres Gesanges. Mit ihrer wunderbaren Stimmkultur setzten sie jeder Motette Glanzlichter auf. Der Chor artikulierte klar und deutlich, sang sehr sauber und wirkte teilweise modern und locker. Abwechslungsreich und packend präsentierten die Sänger einen "bunten Strauß schöner Melodien", wie ihr sehr jung wirkender Dirigent dem Publikum die "schönen Motetten" ans Herz gelegt hat.
Und ganz zum Schluss - als Zugabe - gab es Matthias Claudius "Der Mond ist aufgegangen". Ein wunderschönes Konzerterlebnis.
Dagmar Drescher
Chormusik aus Mitteldeutschland
"Thüringer Allgemeine Zeitung" - 22.09.2008:
Hochgepflegter Chorgesang
Monteverdi-Chor Hamburg in der Bachkirche Divi Blasii zu Mühlhausen / Dirigent mit sensiblem Stilgefühl
Claudio Monteverdi - Arztsohn aus Cremona, der Vollender des Renaissance-Madrigals und Begründer der Barockoper, ist der Namensgeber für den bekannten Chor aus Hamburg, im Jahre 1955 entstanden durch die Zusammenarbeit des Chorgründers Jürgen Jürgens mit einem italienischen Kulturinstitut.
Von Dr. Uta Ziegner
MÜHLHAUSEN.
Heute leitet Gothart Stier den mit etwa 40 Mitgliedern angetretenen a-capella-Chor. Der charismatische Dirigent aus Mitteldeutschland subsumiert moderne Chorleitung mit sensiblem Stilgefühl, weiß den "fast Profichor" an seine technische Höchstgrenze zu führen, ohne dabei an Spontaneität und Singefreudigkeit einbüßen zu lassen. So steht der Chor unverrückbar hinter seinem agilen Leiter und formt mit ihm die Kompositionen.
Siebzig Minuten fast pausenlos ohne Instrumentalbegleitung zu singen, können wenige Chöre. Intonation, die nicht nachlassen darf, ist unabdingbar. Und natürlich die Aussprache! Und die Homogenität des Klanges, die Kongenialität der Stimmgruppen. Die Hamburger konnten es. Sie entließen am Sonnabend ein begeistertes Publikum, das angetreten war zur Eröffnungsveranstaltung des nunmehr 4. Divi-Blasii-Festes. In des Konzert war die Segnung des neuen Rosettenfensters integriert. (diese Zeitung berichtete). Superintendent Andreas Piontek begrüßte herzlich Spenderin, Ausführende und Chormitglieder zu dieser besonderen Stunde und informierte nochmals über das Zustandekommen der einzigartigen Renovierung, die die Stifterin Dr. Gisela Kleeberg mit einer Kurzbiografie begründete. Liturg Pfarrer Andreas Schwarze und Pfarrerin Carola Scherf ließen diese Andacht mit einem Segensgebet ausklingen. Die freudigen Gedanken nahm der Chor mit einer fünfstimmigen Psalm-Motette ihres Namensgebers auf: "Laudate pueri Dominum" präsentierte hochgepflegten Chorgesang und machte den gesteigerten deklamatorischen Ausdruck Monteverdischer Musik signifikant.
Das interessante Programm beinhaltete zehn große Werke unterschiedlichster Stilrichtungen. Dass auch der Stammvater der "Erfurter Bache", tätig an der dortigen Predigerkirche, kompositorisch in der Monteverdi Tradition steht, zeigte seine Motette mit dem im Altarraum positionierten "Fernchor". Die Echowirkung nutzend, war das Alternieren von Chor und drei Solisten eine hübsche klangliche Bereicherung. Mit Alessandro Scarlattis "Exultate deo" in makelloser Vierstimmigkeit wurde der Block der Renaissance-Motetten abgeschlossen. Dass sie sich auch in Romantik und Moderne verselbstständigten, zeigten die von Felix Mendelssohn Bartholdy und Ernst Friedrich Richter, in denen sich der Gastchor bis zur Achtstimmigkeit aufsplitten musste.
Mithin solistische Aufgaben der Chormitglieder, die sich bis in die Vielstimmigkeit eines Liebhold und Weinlig, Vertreter des 18. Jahrhunderts, fortsetzten. Dass der einstige Kreuz-Kantor Stier seines Thomaskantor-Kollegen Rudolf Mauersberger mit einer im hervorragenden Legato gesungenen Motette gedachte, war ebenso Zeichen seiner künstlerischen Vielfalt. Abendliches gab es dann mit Reger und Brahms.
Zu der glückhaften Stunde gehörten natürlich auch die Klänge der soeben fertig gestellten Orgel. Oliver Stechbart zog buchstäblich "alle Register" in Johann Sebastian Bachs "Fantasie", BWV 572. Bach sorgt nun schon über 300 Jahre dafür, dass die Kirche Divi Blasii und Mühlhausen in aller Munde bleibt.
Chormusik aus drei Jahrhunderten
"Weser Kurier, Wümme-Zeitung" - 08.07.2008:
Bekannte und weniger bekannte Namen wechselten sich ab
Konzert des Monteverdi-Chors zum Abschluss des vierten Musikfestes in der Zionskirche
Von unserer Mitarbeiterin Undine Zeidler
WORPSWEDE. Das vierte Worpsweder Musikfest fand seinen Abschluss mit einem Konzert des Monteverdi-Chors aus Hamburg. Die Zions-Kirche war gut gefüllt, als Pastor Ewald Dubbert die Konzertbesucher "an diesem schönen Sonntagabend" begrüßte. In seiner kurzen Ansprache betonte er, dass es ein bemerkenswerter Vorgang sei, wie in Worpswede seit Jahren für die neue Orgel Spenden gesammelt werde. Es gebe kein von der Größe her vergleichbares Dorf in Niedersachsen, das Ähnliches zu bieten habe. Bei der Finanzierung der Orgel sei die Gemeinde einen ganz entscheidenden Schritt weitergekommen, aber noch längst ist nicht alles Geld beieinander und es werde weiter gesammelt. Für ihn war es eine besondere Freude, den Monteverdi-Chor aus Hamburg unter Leitung von Gothart Stier zu begrüßen und er versprach ein "bemerkenswertes Programm mit Zwischenspielen auf der Querflöte von Michael Müller und Ulrike Dehning an der Orgel".
Die 41 Sängerinnen und Sänger des Chores nahmen unter Applaus im Altarraum Aufstellung und eröffneten ihr Programm mit einer Psalm-Motette von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Vier- bis achtstimmig gesungen, füllte das Lied "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" die Kirche aus. Kraftvolle und leise Sequenzen gaben schon hier einen ersten Eindruck vom Gesangsspektrum des Chors. Feierlich wurde es beim zweiten Lied, das aus der Feder von Claudio Monteverdi stammte. Das lateinische "Laudate Pueri Dominum" strahlte etwas Feierliches aus. Die konzentrierten Blicke der Männer und Frauen lagen dabei immer wieder auf ihrem Chorleiter. Mit Augen, Mimik und den Händen geleitete er sie professionell durch die Musik.
Besonders beeindruckend war die Interpretation von "Unser Leben ist ein Schatten", komponiert von Johann Bach, einem Onkel Johann Sebastians. Die Motette wurde neben dem sechsstimmigen Chor von einen dreistimmigen Fernchor gesungen. Dass letzterer unsichtbar hinter der Altarabtrennung sang, gab diesem musikalischen Dialog seine besondere Ausstrahlung.
Das sich anschließende Programm umfasste Chorwerke vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Bekannte Namen wie Mendelssohn-Bartholdy, Bruckner und Reger standen neben regional weniger bekannten Komponisten wie Gustav Schreck und Rudolf Mauersberger. Die Intention von Chorleiter Gothart Stier lag auch genau darin, mitteldeutsche Komponisten über ihre Heimat hinaus bekannt zu machen. Deshalb erklangen Lieder verschiedener Thomaskantoren, die es in der Nachfolge von Johann Sebastian Bach nicht einfach hatten, so erzählte es Stier in den kurzen Werkeinführungen. Die Fuge "Da Israel aus Ägypten zog", eine Psalm-Motette für achtstimmigen Chor, vermochte die Zuhörer völlig in ihren Bann zu schlagen. Durch die zeitlich unterschiedlichen Einsätze der einzelnen Stimmen bekam das biblische Thema eine beeindruckende Dramatik. Der Thomaskantor Ernst Friedrich Richter komponierte die Fuge im 19. Jahrhundert.
Die Kraft und Intensität des Chors wurde an drei Stellen des Konzerts vom Zwischenspiel aus Querflöte und Orgel unterbrochen. Die leisen, warmen Töne, gespielt von Michael Müller und Ulrike Dehning, bildeten einen reizvollen Kontrast zur kraftvollen Chormusik. Flöte und Orgel harmonierten bei der Sonate e-moll von Carl Philipp Emanuel Bach und auch im Arioso aus dem Flötenkonzert G-Dur von Johann Joachim Quantz vortrefflich. Die beiden Musiker leiteten mit dem "Abendlied" von Robert Schumann auch den letzten Konzertteil ein - drei Lieder zum Tagesausklang. Michael Müller ergriff die Zuhörer mit seinem eindringlichen Flötenspiel derart, dass sie einen Moment brauchten, um sich von der Musik zu lösen und zu applaudieren.
Die gleiche Wirkung erzielte der Monteverdi-Chor mit Max Regers "Nachtlied". Auch da herrschte nach den letzten Tönen absolute Ruhe in der Kirche, bevor der intensive Applaus einsetzte. Der Monteverdi-Chor hatte dieses Orgelkonzert zu einem besonderen Höhepunkt gemacht und verabschiedete sich mit "Der Mond ist aufgegangen", bei dem die Zuschauer in der letzten Strophe mitsingen sollten.
Kirschblütenkonzert
Werke von Brahms, Mendessohn u.a.
"Harburger Anzeigen und Nachrichten" - 22.04.2008:
Appell zum Erhalt der Kirche
Altenwerder: Monteverdi-Chor eröffnet Konzertreihe
von Traute Scheuermann
Altenwerder. Nachdem im vergangenen Jahr schon hochsommerliche Temperaturen herrschten, wagt sich der Frühling diesmal zum Beginn der Konzerte zur Baumblüte nur sehr zaghaft hervor. Die erste, gut besuchte Veranstaltung in St. Gertrud zu Altenwerder sollte - zumindest musikalisch - einen Anschub gegeben haben.
Zurück von einer erfolgreichen China-Reise, war der Monteverdi-Chor Hamburg unter seinem Leiter Gothart Stier zu Gast. Der renommierte Chor ist für seinen qualifizierten Chorgesang bekannt und enttäuschte das Publikum nicht.
Den ersten, geistlichen Teil begann der Chor mit der Motette "Laudate pueri, Dominum" seines Namensgebers Claudio Monteverdi. Die funkelnde Vielfalt der Harmonik wurde hier ebenso deutlich herausgearbeitet wie in den folgenden Motetten von Alessandro Scarlatti.
Mit kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Stücken und einem leidenschaftlichen Appell zum Erhalt der schönen Kirche Altenwerders lockerte Stier den ernsten Teil auf. Bei der Motette "Unser Leben ist ein Schatten" des (Johann Sebastian) Bach-Onkels Johann Bach war faszinierend, wie die lautmalerischen kleinen, feinen Läufe in Sopran und Alt und der Fernchor von der Empore die Schattenhaftigkeit des Lebens versinnbildlichten.
Kompositionen von Christian Theodor Weinlig, Felix Mendelssohn Bartoldy und Thomaskantor Rudolf Mauersberger folgten vor dem "weltlichen" Teil, nachdem der ausgezeichnete Volker Ebers mit zwei Orgel-Stücken den Sängern eine Atempause verschafft hatte.
Anspruchsvolle und heitere Lieder von Robert Franz, Carl Loewe, Johannes Brahms und Max Reger setzten das Programm fort und dem Frühling ein "Denk-mal". Der Text zu Regers "Mädchen mit den blauen Augen" war Gothart Stier besonders wichtig. Zum besseren Verstehen las er ihn vor - obwohl die Verständlichkeit des Chores eigentlich gar nicht zu wünschen übrig ließ - und dirigierte das bezaubernde Lied zur Freude des Publikums ein zweites Mal. Nur bei Robert Franz schlichen sich kleine Unsicherheiten ein, ansonsten begeisterte der Monteverdi-Chor mit wunderbar abgestimmter Phrasierung, klaren Sopran- und ausgewogenen Männerstimmen.
Dem herzlichen Applaus dankte der Chor mit einem verinnerlicht gesungenen Reger-Satz zu "Der Mond ist aufgegangen".
Franz Schubert: Stabat Mater
W. A. Mozart: Requiem
Solisten: Christiane Karg, Sopran - Annette Markert, Alt - Peter Diepschlag, Tenor - Stephan Heinemann, Bass
Staatskapelle Halle
"Einbeker Morgenpost" - 28.02.2008:
Wiener Klassik im Bad Gandersheimer Dom begeisterte
Schubert und Mozart mit Chor aus Hamburg, Orchester aus Halle und Solisten / Reicher Beifall belohnte die Mitwirkenden
"Requiem aeternam da eis, Domine - Ewige Ruhe gib ihnen, Herr" - mit diesen Worten beginnt ein altes Gebet, und das erste Wort dieses Gebetes wurde zur Bezeichnung für einen Gottesdienst zum Gedächtnis einer/eines Verstorbenen und weiter zum Namen einer aus diesen Gottesdiensten entstandenen musikalischen Großform für Chor, Solisten und Orchester. Mozarts Requiem ist sein letztes, unvollendet gebliebens Werk, und sein "Schüler, Freund und Vertrauter" Franz Xaver Süßmayr hat es zu Ende geführt. So besteht es im Grunde aus drei "Bestandteilen", aus von Mozart Komponiertem, von Süßmayr nach Skizzen und Entwürfen Mozarts Fertiggestelltem und einigen von Süßmayr hinzugefügten Teilen. Trotz dieser etwas ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte gehört Mozarts Requiem zu den herausragenden Werken dieser Gattung.
Einbeck (D.A.). Durch feierlich-dunkle Orchesterakkorde klingt das Gebet um ewige Ruhe auf, es geht über in ein an barocke Klangfülle gemahnendes, in strenger fugierter Form gebautes "Kyrie" von geradezu Händelscher Pracht; es schließt sich eine Wiederholung des einleitenden Gebetes an, und darauf folgt in aller Wucht das "Dies irae", der in Klängen Gestalt gewordene "jüngste Tag des Gerichtes".
Von einem ruhigen Anfang bis zu den musikalischen Schrecken des endzeitlichen Gerichtes wurde Mozarts Werk am Sonntag im Gandersheimer Dom in einer in sich schlüssigen Gestaltung geboten. Die Ausführenden waren der vorzügliche "Monteverdi-Chor" aus Hamburg, etwa 50 zumeist jüngere Sängerinnen und Sänger, die stark besetzte Staatskapelle aus Halle und als Solisten Christiane Karg (Sopran), Anette Markert (Alt), Peter Diepschlag (Tenor) und Stephan Heinemann (Bass); die Leitung hatte der temperamentvolle Gothart Stier.
Es gelang den Interpreten, von Gothart Stier behutsam und eindringlich geführt, die dem Werk immanente Spannung im weitem Bogen beizubehalten - von einem verhaltenen Beginn über die mächtigen Partien des "Tuba mirum" und des "Rex tremendae" und über die lyrisch getönten, von innigem Empfinden geprägten Teile des "Lacrimosa" oder des "Recordare" bis zu dem ruhig-feierlichen "Benedictus" und dem abschließendem "Lux aeterna".
Das "Recordare" mit seinem Solistenquartett, dem hellen Sopran, dem dunkel getöntem Alt, dem deutlich artikulierenden Tenor und dem volltönenden Bass über den tiefen Holzbläsern mit dem dunkel-goldenen Klang der Altklarinetten sei besonders genannt. Die beiden Pole des Requiems, die Großartigkeit der Gerichtsschrecken und die ruhigen, kontemplativen Gebetstexte wurden an diesem Abend überzeugend zum Ausdruck gebracht.
Als Einleitung in das Konzert erklang Schuberts selten zu hörendes "Stabat mater". Schubert wählte für seine Komposition nicht den lateinischen Urtext des Gedichtes aus dem frühen 14. Jahrhundert von der trauernden Maria unter dem Kreuz, an dem ihr Sohn hing, sondern eine freie Nachdichtung von Friedrich Klopstock, die zu Schuberts Zeit noch als neu und modern gelten konnte: Der Text soll so besser verstanden werden, und im Sinne der "Aufklärung" steht sicher auch eine gewisse Kritik am Althergebrachten dahinter.
Mit wenigen, dunklen bläserbetonten Akkorden führt er in sein Werk ein, der volle Chor nimmt die düstere Grundstimmung auf und gibt gewissermaßen eine "Exposition" des Geschehens auf Golgatha. Eine dramatisch gestaltete Sopran-Arie schloss sich an, und danach folgte - in ganz anderem Klangcharakter - ein Chorsatz vom liebevollen Blick des Sohnes auf seine Mutter. In der einfühlsamen Tonsprache der Wiener Spätklassik komponiert Schubert "am Text entlang" und gibt ein eindrucksvolles Tongemälde, dessen Palette von ruhiger Verhaltenheit bis zu raumfüllendem Chor-Forte reicht, gelegentlich von Soloinstrumenten effektvoll überhöht, so etwa von den Hörnern in dem Satz von "Vorgeschmack des Himmels".
Dem Chor aus Hamburg, dem Orchester aus Halle und den Solisten gelang unter ihrem Dirigenten eine eindrucksvolle und ausdrucksstarke Darbietung eines bekannten und eines nur selten aufgeführten Werkes. Dass der Besuch sehr gut war und der Beifall sehr reich, braucht kaum erwähnt zu werden.
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Solisten: Julia Sophie Wagner, Sopran - Stefan Heinemann, Bariton
Mitglieder des Gewandhausorchesters Leipzig
"Leipziger Volkszeitung" - 27.11.2007:
Ein tröstendes Memento Mori
Totensonntagskonzert
Brahms Deutsches Requiem lässt sich kaum als echtes Requiem bezeichnen. Was dem Komponisten da in den 1860ern aus der Feder floss, sperrt sich gegen jede Kategorisierung. In deutscher Sprache verfasst, handelt es sich mehr um ein Bittgebet für die Hinterbliebenen als die Toten - zugleich aber ist es Mahnung im Angesicht des Endes, das jeden ereilt. Kaum ein passenderes Stück also ließe sich am Totensonntag aufführen, wie es der Monteverdi-Chor Hamburg und das Oratorienorchester Leipzig unter Gothart Stier mit Julia Sophie Wagner (Sopran) und Stephan Heinemann (Bariton) in der Thomaskirche getan haben.
Brahms Werk, dessen Text sich aus Bibel- und Apokryphenzitaten zusammensetzt, schwankt zwischen Hoffnung, Sehnsucht und Zuspruch, schwingt sich zeitweise sogar auf ins Kämpferische, wenn etwa Bariton und Chor aus den Korintherbriefen zitieren: Das "Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?" klingt da fast schon spöttisch. Chor und Orchester gelingt es, die gesamte Bandbreite abzubilden, von den leise demütigen Sequenzen bis hin zu den gewaltigen, aufbrausenden Passagen, vom Lyrischen bis zum Hochdramatischen.
Einen ähnlichen Spagat meistern auch die Solisten. Stephan Heinemann mit einem zurückhaltenden Bariton, stellenweise leicht überartikuliert - doch musikalisch gut ins große Ganze eingefügt. Julia Sophie Wagner stellt ihren Part ganz in den Dienst der Musik, ihre Töne verschmelzen mit denen des Orchesters, erheben sich vorsichtig wieder daraus und entwickeln in ihren kraftvollsten Momenten eine eigenständige, anrührende Dynamik. Derart souverän bieten alle Beteiligten unter der unaufdringlichen Stabführung Gothart Stiers eine stimmige Musik zum Totensonntag ganz im Brahmsschen Sinn: Als tröstendes Memento Mori, als persönliche Ansprache.
Florian Blaschke
Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
Solisten: Naïram Abrahamya - Ryu Kyung Kim - Tomasz Zagorski - Attila Jun
Monteverdi-Chor Hamburg - Chor der Oper Halle - Robert-Franz Singakademie Halle
Staatskapelle Halle
"Leipziger Volkszeitung, Lokalteil Schkeudiz-Taucha" - 05.11.2007:
Glanzleistung an großem Abend
Staatskapelle Halle begeistert mit Giuseppe Verdis "Messa da Requiem"
Schkeudiz. Das es sich bei diesem Werk allein schon musikhistorisch betrachtet um eine Gratwanderung handelt, haben viele Theoretiker zu Papier gebracht: genau genommen eine zwischen Oper und Messe. Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" - in gewisser Weise eine sakrale Oper - verkraftet in dieser Grenzgängigkeit zwischen den Kunsttempeln einiges. Aber, dass das Verdi-Requiem auch diesen Rahmen verträgt, war nicht von vornherein abzusehen.
Aber wird es so musiziert, wie am Sonnabend im Marmorsaal des mitteldeutschen Modezentrums in Schkeuditz, dann bleiben weite Teile der tiefen expressiven Wirkung dieses Stückes erhalten, auch wenn das Szenario in einem so deutlich als Tempel des Kommerz stilisierten Palast einer gewissen Absurdität nicht entbehrt.
Es ist die Jahreszeit für Requiem-Aufführungen. Behält man den ursprünglichen sakralen Kontext im Hinterkopf, hat der Aufmarsch der Musiker und Sänger unter der überdimensionalen, illuminierten Schkeuditzer Modegöttin schon etwas vom "Tanz ums goldene Kalb"; aber vergisst man das alles, nimmt man Teil an einem grandiosen Konzert.
Gothart Stier steht am Pult der Staatskapelle Halle, führt den vereinigten Chor der Oper Halle, der halleschen Robert-Franz-Singakademie und dem Monteverdi-Chor Hamburg zu einer Glanzleistung.
Ein Stück, dass mit den ersten rund zehn Takten steht und fällt; aus im Prinzip drei Phrasen seinen unglaublichen Spannungsbogen zieht, in einem solchen Raum mit dieser Ruhe und Spannung aufzubauen, ist ein unglaublicher Akt. Unprätentiös geht Stier zu Werke und arbeitet an der Geschlossenheit und Ausgewogenheit eines Klangbildes, das sich voll und ganz hören lassen kann.
Mit einer gewissen Konsequenz verweigert er über weitere Strecken einen größeren Teil der diesem Werk so eigenen Italianita, der Attitüde italienischen Operngesanges. Wo nötig, lässt er jenen Opern-Verdi dennoch aufblitzen. Sehr gerade, linear scheint diese Totenmesse gedacht - selbst die Dies-Irae-Ausbrüche rollen als wohlgelenkte Woge durch das Konzertrund. Es ist Schönklang und Ausgewogenheit, was diese Aufführung auszeichnet. Ambitioniert und souverän spielt die Staatskapelle. Dabei kann sich Stier auf ein weitestgehend mehr als akzeptables Solistenquartett verlassen. Thomasz Zagorski bewältigt den außerordentlich ungemütlichen Tenor-Part höhensicher und klangschön, mit sehr geraden Linien. Das tut der Sache außerordentlich gut. Die Sopranistin Naira Abrahamyan findet nicht immer jene in der Partie angelegte Kantabilität; hat gerade neben dem Chor immer wieder Probleme, sich durchzusetzen - dem begegnet sie manchmal mit recht scharfen Tönen. Kurzfristig eingesprungen ist der Bass Thomas Pursio, mit seinem recht hellen, sehr weichen Timbre alles andere als ein Ersatz in dieser Besetzung und recht dominant. Der Mezzosopran von Ryu Kyung Kim ist gerade in den nicht übermäßig gepflegten Tiefen zwar durchaus Geschmackssache, stört das Gesamtbild aber keineswegs. Der Zusammenklang ist weitestgehend überzeugend - und am Pult steht ein sicherer Meister des Klanges.
Gothart Stier gelingt es, diese neue Grenzgängigkeit der Rahmen produktiv zu nutzen. Er macht das Beste aus dem Kontrast Modezentrum - Totenmesse: ein bürgerliches Konzert neuer Form. Mit der fatalen Situation, des doch dann und wann wieder versuchsweise einsetzenden Beifalls zwischen des Messsätzen geht er gelassen und bestimmt um. Peinlich sind diese Versuche trotzdem; aber was solls bei einem wirklich großen Abend. Und jenes gleichermaßen Rituelle wie Emotionale der Saison für Requiem-Aufführungen geht dem Event im Neonlicht von vornherein ab.
Tatjana Böhme-Mehner
Geistliche Chormusik
"Verdener-Aller-Zeitung" - 22.05.2007:
Lang anhaltender und verdienter Applaus
Unter dem Titel "Singet dem Herrn ein neues Lied" erklangen ... bekannte und weniger bekannte Chorwerke, unter anderem von Dietrich Buxtehude (Missa brevis), Johann Sebastian Bach (Motette "Jesu, meine Freude"), Felix Mendelssohn Bartholdy (Jauchzet dem Herrn, alle Welt) und Max Reger (Abendlied) im Verdener Dom. Zu Gast in der Reihe Sommerkonzerte war der Monteverdi-Chor Hamburg unter der Leitung von Gothart Stier. Das Ensemble sang präzise, stimmgewaltig und trotzdem einfühlsam und mit großer Dynamik. Am Ende belohnte das begeisterte Publikum im gut gefüllten Dom die fast 70 Sänger mit langanhaltendem und verdienten Applaus.
Monteverdi: Marienvesper
Solistenensemble Amacord Leipzig
Lautten Compagney Berlin
"Leipziger Volkszeitung" - 06.02.2007:
Die Stille nach dem Schluss
Monteverdis Marienvesper zum ersten Mal in der Leipziger Thomaskirche
Die Pause ist lang. Sehr lang. Der letzte, kraftvolle Ton von Claudio Monteverdis Marienvesper ist längst verklungen, das letzte, jubelnde Amen gesungen, Gothart Stiers Hände liegen ruhig auf dem Dirigentenpult, sein Blick ist freundlich auf seine Sänger und Musiker gerichtet. Und es passiert - nichts. Die Zuhörer in der gut besuchten Thomaskirche brauchen noch Momente, bevor sie ihren nicht enden wollenden, herzlichen, von Bravo-Rufen unterlegten Applaus spenden.
Warum so zögerlich? Vielleicht, weil die Vielfalt der Klänge und Stile in diesem Werk, das für viele Musikwissenschaftler den Beginn einer Epoche einleitete und - in seiner Verbindung von traditioneller Kompositionsart mit modernen Elementen - als Bindeglied zwischen Renaissance und Barock steht, in seiner Virtuosität sprach- und, für einige Momente, eben auch reglos macht. Vielleicht, weil der Monteverdi-Chor Hamburg der Schönheit, dem Gefühl, der Sinnlichkeit dieses Werkes absolut gerecht wird und sich nicht nur technisch tadellos präsentiert, sondern die Erhabenheit der Marienvesper so transportiert, dass sofortiger Beifall vulgär wäre.
Vielleicht, weil die Sänger des Ensembles Amarcord mit den beiden Gast-Sängerinnen Gudrun Sidonie Otto und Birte Kulawik bei den äußerst schwierigen Solo-Partien mit blitzsauberen Koloraturen begeistern und man nicht so richtig akzeptieren will, dass es das nun gewesen sein soll. Vielleicht, weil die Lautten Compagney aus Berlin mit Originalinstrumenten aus dem 16. Jahrhundert und der Instrumentierung von Dirigent Gothart Stier, der in Leipzig studierte und heute künstlerischer Leiter des Monteverdi-Chores ist, den Charakter der 13 Stücke perfekt unterstreicht und man sich auch hier wünscht, die Musiker mögen weiterspielen. Vielleicht, weil Stier seine Sänger und Musiker so souverän durch das Werk leitet und es kaum zu glauben ist, dass Chor, Ensemble und Orchester nur eine Woche miteinander probten. Vielleicht, weil manchem klar wurde, dass Bachs Kompositionen ohne Monteverdi anders geklungen hätten. Vielleicht aber auch, weil die Zuhörer froh waren, dass die Marienvesper endlich in der Thomaskirche interpretiert wurde und die Vorfreude auf eine zweite Aufführung mit dem Thomanerchor - zur Eröffnung des Bachfestes 2007 unter dem Motto "Von Monteverdi zu Bach" - so groß war, dass sie ein paar Mal durchatmen mussten, bevor sie den Künstlern ihre Anerkennung zeigen konnten.
Heide Lang
Händel: Der Messias
Solisten: Olga Peretyatko - Elisabeth Wilke - Achim Kleinlein - Stephan Heinemann
Ensemble Momento Musicale Leipzig
"Die Welt (Hamburg-Teil)" - 12.12.2006:
So klug ausgeleuchtet strahlt die Lichtgestalt doppelt so hell
Der Monteverdi-Chor begeistert mit Händels Messias am Zweiten Advent in der Laeiszhalle.
Von Peter Krause
Der unendlich mannigfaltige Steigerungszug aus der Nacht zum Licht, den Händel 1741 mit seinem Oratorium "Der Messias" disponierte: er muss nicht nur seinem Klassikerkollegen Haydn, der sich mit der grandiosen C-Dur-Licht-Apotheose der "Schöpfung" als würdiger Nachschöpfer erwies, sondern selbst seinen symphonischen Söhnen von Beethoven bis Bruckner als strahlendes Vorbild erschienen sein. Denn Händels musikalische Licht-Dramaturgie, die im mit Pauken und Trompeten gekrönten Halleluja-Jubel der Offenbarung und der finalen Fuge des Amen gipfelt, hat eine Stringenz, die selbst die Erlösungsdurchbrüche der Romantiker als matt erscheinen lässt.
Die wunderbar gelungene Aufführung des Messias mit dem Monteverdi-Chor Hamburg und dem Ensemble Momento Musicale Leipzig unter Gothart Stier führte am Zweiten Advent in der Laeiszhalle Händels Licht-Dunkel-Dialektik mit feinster klangsinnlicher Differenzierung vor die sehenden Ohren. Gothart Stiers Konzept ruht auch theologisch auf sicherem Fundament. Denn den ersten Messias-Teil, jenen der alttestamentarischen Prophezeiungen des christlichen Heilsgeschehens in den imaginativen Versen des Propheten Jesaja, hüllte der Kantor in ein zartes Licht. Er ließ seinen Chor schlankstimmig und wortklar artikulierend, doch ohne jede glaubensgewisse Klangpracht singen: Am Anfang war das Wort. Das Wort, das sich seine Farben und seine Zwischentöne, aber auch seine Härte und Weichheit langsam ertasten muss und erst mit der wirklichen Erscheinung des Gottessohnes auf Erden von strahlender Klarheit umgeben ist.
Dem innigen, intim und beschwingt musizierten, dabei fragenden ersten Teil ließ Gothart Stier einen zweiten folgen, der zunehmend auch die Wucht des politischen Sprengstoffs spürbar machte, den die Botschaft des Messias birgt: Frieden, Auferstehung, Anbruch des Reich Gottes? Wie gefährlich das Wort Gottes den Mächtigen wurde, macht Händel nun in affektreich brennenden Tönen deutlich, die der Bassist Stephan Heinemann ("Die Könige lehnen sich auf") und der Tenor Achim Kleinlein (mit der Antwort des zornigen Gottes "Du zerschlägst sie mit dem Eisenszepter") überaus beredt ausdeuteten. Neben der glockenrein zwitschernden Olga Peretyatko (Sopran) und der klar orgelnden Elisabeth Wilke (Alt) krönte indes der Monteverdi-Chor diesen Messias. Mit einem Halleluja, das endlich einmal die von Händel offensichtlich so gemeinten barocken Echowirkungen ernst nahm: Stier ließ jeden zweiten Einsatz des Jubelwortes im Piano singen, wodurch das gewaltige Crescendo des Chorsatzes fein gestuft erst ganz am Ende seinen dynamischen Höhepunkt erreichte. Eine lyrische Emphase des Lichts.
Händel: Der Messias
Solisten: Olga Peretyatko - Elisabeth Wilke - Achim Kleinlein - Stephan Heinemann
Ensemble Momento Musicale Leipzig
"Harburger Anzeigen und Nachrichten" - 11.12.2006:
Weltklasse in der Ebert-Halle
Jubel für den Monteverdi-Chor Hamburg beim HAN-Konzert mit Händels Oratorium "Der Messias"
von Jan-Barra Hentschel
Heimfeld. Einer der besten deutschen Chöre Deutschlands hat völlig zu Recht das Publikum zu Jubelstürmen hingerissen. In Kooperation mit den Harburger Anzeigen und Nachrichten führte der Monteverdi-Chor Hamburg gemeinsam mit dem Ensemble Momento Musicale Leipzig Georg Friedrich Händels Oratorium "Der Messias" auf. Der Auftritt in Heimfeld war die gelungene "Generalprobe" für das Konzert einen Tag später in der Hamburger Leiszhalle.
Unter der souveränen Leitung von Gothart Stier liefen Chor und Orchester zu Hochform auf. Mit energiegeladener Dramatik sorgte das Ensemble aus Sachsen für die instrumentale Grundlage, die dem Chor den nötigen Halt für eine glanzvolle Interpretation gab.
Der besondere Reiz des Abends: Gesungen wurde das für die Dubliner Uraufführung auf englisch komponierte Oratorium in deutscher Sprache - und zwar in der Übersetzung von Friedrich Gottlieb Kloppstock und Christian Daniel Ebeling, die Jürgen Jürgens, der Gründer des Monteverdi-Chors, 1988 rekonstruiert hatte. So konnte jeder im Saal die Geschichte des Messias mühelos verfolgen.
In einem faszinierenden Spektrum dynamischer Kontraste spürte der Chor die Stimmungsschwankungen auf. Der Satz "Wie durch einen der Tod" (Nr. 40) kam wie aus dem Nichts - dunkel gefärbt und von unendlicher Trauer durchwebt. Dass der Monteverdi-Chor auch kraftvoll und saalfüllend intonieren kann, bewies er in der Schlussfuge des ersten Teils "Sein Joch ist sanft" - und natürlich im klanggewaltigen "Hallelujah!". Hier überraschte Stier mit der Variante, das zweite "Hallelujah" fast unhörbar singen zu lassen, sodass die dynamische Steigerung noch ohrenfälliger als gewohnt ausfiel.
Die viel exzellenten Gesangssolisten hatten natürlich einen Riesenanteil am Erfolg des Abends. Die kurzfristig für die erkrankte Katherina Müller eingesprungene Olga Peretyatko brillierte mit federleichtem Sopran - welch inniges Timbre in der Arie "Ich weiß, dass mein Erlöser lebet"! Die Altistin Elisabeth Wilke überzeugte mit mächtiger, jederzeit geschmeidiger Stimme, ihre düstere Arie "Er ward verschmähet" war einer der vielen Höhepunkte des Abends. Achim Kleinlein mit voluminösen Tenor und Stephan Heinemann mit seinem eine Spur zu konturlosem Bass vervollständigten das Quartett. Weltklasse in Heimfeld!
Chor und Orgel
Chormusik von Monteverdi, Mendelssohn, Brahms, Reger, Weyrauch, u.a.
Orgelwerke von Robert Schumann - gespielt von Hansjörg Albrecht
"Harburger Anzeigen und Nachrichten" - 09.10.2006:
Beseelte Chormusik in Heimfeld
von Jan-Barra Hentschel
Heimfeld. Welche Faszination ein reines A-cappella-Konzert ausmacht, hat nicht zuletzt der sensationelle Erfolg von "Harburg sucht den Superchor" im vergangenen Jahr gezeigt die Veranstaltung der Harburger Anzeigen und Nachrichten geht übrigens im kommenden Jahr in die nächste Runde. Auf Initiative der HAN gab jetzt einer der besten Chöre Norddeutschlands ein Konzert in der Heimfelder St.-Paulus-Kirche: der Monteverdi-Chor Hamburg. Unter dem Motto "Chormusik zur Herbstzeit" sang das Ensemble unter der Leitung von Gothart Stier sakrale Werke vom Barock bis zur gemäßigten Moderne und bewies einmal mehr seine Extraklasse.
Mit lupenreiner Intonation und wunderbar zartem Timbre gestalteten die Sängerinnen und Sänger jedes der kurzen Stücke als Kleinod; unnachahmlich, wie das "Amen", die Schlusswendung der meisten Werke, durch das Kirchenschiff schwebte und so lange nachhallte, dass es die Zuhörer schier den Atem raubte. Jeder Ton klang wie beseelt, vom Sopran bis zum Bass waren alle Stimmlagen im völligen Gleichgewicht, auch im kompliziertesten polyphonen Gewebe war jede Stimme prägnant herauszuhören.
Jeder der drei klug zusammengestellten Programmblöcke endete mit einem Stück aus dem 20. Jahrhundert: harmonisch spröde Musik nach so viel Wohlklang von Namensgeber Monteverdi, Scarlatti, Mendelssohn Bartholdy und Bruckner. Als erfreuliche Entdeckungen entpuppten sich die Stücke der drei nahezu unbekannten Komponisten Liebhold, Weinlig und Kjerulf einschmeichelnde Klänge des Spätbarock und der Romantik.
Um den Sängern bei diesem höchst anspruchsvollen Programm ein bisschen Erholung zu gönnen, spielte Hansjörg Albrecht in den beiden Chorpausen zwei Orgelimprovisationen: über den Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" und über "Jesus und Nikodemus". Er reizte in seinen klangmächtigen Studien die Orgel der Paulus-Kirche bis fast an ihre Grenzen aus. Spannung und Dramatik pur. Zwei Chor-Zugaben!
Felix Mendelssohn Bartholdy: Paulus
Solisten: Katherina Müller - Bettina Denner - Martin Petzold - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Dresdner Neueste Nachrichten" - 27.03.2006:
Vom Saulus zum Paulus - Mendelssohns Oratorium in der Frauenkirche
Seit 1994 ist der ehemalige Kreuzkantor Gothart Stier Chef des Monteverdi-Chors in Hamburg, eines Universitätschors. Stier hat dessen musikalisches Spektrum um die große Chorsinfonik erweitert und u.a. mit Mendelssohns "Paulus" viel Erfolg. Damit war man nun auch in der Frauenkirche Dresden zu Gast. Der biblischen Vorlage folgend schildert es ausgehend von der Steinigung des Stephanus die Wandlung des Christenhassers Saulus zum Paulus bis hin zu seinem Märtyrertod. Die musikalischen Formen sind üppig, irgendwo auch an Bach und Händel orientiert. Leitmotivisch zieht sich der bekenntnishafte Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" durch das Werk.
Die Gäste gaben sich alle Mühe, mit der vertrackten Akustik des runden Zentralbaus zurechtzukommen - dennoch konnte die letzte strukturelle und musikalische Klarheit nicht erreicht werden. Gothart Stier suchte zuweilen sein Heil in einem breiten Musizierstil, was nun wieder der Spannung und Prägnanz abträglich war. Wunderbar gelangen leise Passagen, etwa der eindringliche Chor "Saul, Saul, was verfolgst du mich" oder der zarte Choral "O Jesu Christe, wahres Licht". Mulmig und textunverständlich kamen die expressiven Ausbrüche daher, etwa das verwickelte Fugato "Mache dich auf". Die prachtvolle Architektur der großen Chöre, z.B. "Der Erdkreis ist nun des Herrn", entfaltete sich angemessen in ihrer pathetischen Größe. Alles in allem wird der Chor vor allem wegen seines weichen Klangbildes im Ohr bleiben. Vermutlich wäre aber ein a-capella-Programm für diesen Raum die bessere Wahl gewesen.
Eine respektable Orchesterleistung bot das Philharmonische Staatsorchester Halle, klangschön in den Bläsern. Gebündelte oratorische Erfahrung brachte das Solistenquartett - Katherina Müller, Bettina Denner, Martin Petzold, Ralf Lukas - mit, passend in die romantisch breite Gestaltungskonzeption Gothart Stiers und auch nicht durch die unruhige Atmosphäre in der Kirche aus dem Gleichgewicht zu bringen.
M. Hanns
Litaniae de venerabili altaris Sacramento Es-Dur - KV 243
Orgel-Fantasie f-moll - KV 608
Große Messe in c-moll - KV 427 - (ergänzt von Alois Schmidt)
Solisten: Katherina Müller - Stefanie Atanasov - Uwe Stickert - Stephan Heinemann
Orgel: Hansjörg Albrecht
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Die Welt" - 23.01.2006:
Monteverdi-Chor gratuliert Mozart, das Publikum gratuliert zur Gratulation
Dreimalige Zukunftsmusik als leicht verfrühtes, geglücktes Geburtstagsständchen für den großen Salzburger brachte der Monteverdi-Chor am Sonnabend in St. Michaelis zu Gehör. Schon der Auftakt mit der Litaniae de venerabile altaris sacramento, eine Messvertonung des gerade 20jährigen Mozart, schwankt so vielsagend zwischen barocker Tradition und individueller Vision, daß wir nicht umhin konnten, mit gespitzten Ohren laufend zurück und voran zu hören: Zurück zu den Vorvätern des Klassikers von Palestrina bis Bach, voran zu Beethoven und seiner Missa Solemnis. Auch Mozarts c-Moll-Messen-Fragment als Hauptwerk des Abends musizierte Gothart Stier mit seinem Chor als Missing Link zwischen Bach und Beethoven.
Zuvor spielte Hansjörg Albrecht auf der großen Steinmeyer-Orgel jene kühne Fantasie in f-Moll, die zwischen barockem Fugenformat und krass geschärfter moderner Harmonik geradewegs in romantische Gefilde weist. Die große Messe in c-Moll adelte der Monteverdi-Chor dann mit warm klangsattem und dennoch dynamisch geschmeidig schattiertem Ton. Kantor Stier setzte auf ein symphonisch wie dramatisch ausmusiziertes Mozartbild der vorzugsweise breiten Tempi. Kantiger, tänzerischer, straffer hört man Mozart heute meist. Doch so gehts auch. Vorzüglich die Solisten: Katherina Müller mit rein und zart perlenden Soprankoloraturen, Stefanie Atanasov mit apart agilem Mezzostrom, Uwe Stickert mit frisch sprudelndem Tenorstrahl und Stephan Heinemann mit jugendlich bewegungsfreudigem Basslauf. kra
Chorkonzert zur Herbstzeit
mit Werken von Bach, Mendelssohn, Brahms, Reger, Thomas u.a.
"Lauenburgische Landeszeitung" - 07.11.2005:
Renommierter Chor traf auf geringe Resonanz
Lediglich knapp 60 Zuhörer in der Maria-Magdalenen-Kirche
Lauenburg (gre). Mit edlen Klängen füllte er am Sonnabend die Maria-Magdalenen-Kirche: der renommierte Hamburger Monteverdi-Chor unter Leitung von Gothart Stier. Der 1955 von Jürgen Jürgens gegründete Monteverdi-Chor präsentierte ein Programm, das inhaltlich für das Ende des Kirchenjahres konzipiert, bald in der Leipziger Thomaskirche gesungen wird.
Von den ersten Takten der Vertonung des 100. Psalms "Jauchzet dem Herren alle Welt" (Mendelssohn Bartholdy) faszinierte der homogene, absolut sauber intonierte Chorgesang mit allen dynamischen Abstufungen, die mit der hervorragenden Akustik der Lauenburger Kirche das Zuhören zum puren Genuss machte. Noch imposanter eine der Visitenkarten des Chores, "Laudate pueri, Dominum", alias Vertonung des 113. Psalms durch Claudio Monteverdi.
Ans Ende des Kirchenjahres ging es mit der Motette "Unser Leben ist ein Schatten" von Johann Bach, der in sein Werk eine Stereo-Wiedergabe hineinkomponierte: sechsstimmiger Chor und ein dreistimmiger, solistisch besetzter Fernchor.
Es folgte ein schwungvoller Einzugsmarsch der Königin von Saba (Händel), bei dem Lauenburgs Organistin Katja Bauke viele Registerkombinationen ihrer Orgel gekonnt mischte. Ob "An den Wassern zu Babel" von Kurt Thomas, "Brich herein" von Alfred Stier, die Brahms-Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" oder die Motetten "Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit" und "O Tod, wie bitter bist du" von Max Reger - der Monteverdi-Chor entzückte mit perfekter Interpretation und höchster Hingabe. Fazit: Das Konzert hätte mehr als die knapp 60 Zuhörer verdient.
MENDELSSOHN: Elias
Solisten: Katherina Müller - Elisabeth Wilke - Nils Giesecke - Ralf Lukas
Jerusalem Symphony Orchestra
"Haaretz" - 30.05.2005:
ALLE DURSTIG
Der Gesang der vier Solisten am Ende des Oratoriums mit dem Psalm "Wohlan, alle, die ihr durstig seid" konnte nicht nur alle, die bei dem Konzert waren, mit einem Gefühl von Freude erfüllen. Dank für die Musik von Mendelssohn, die biblischen Worte und die ausgezeichneten Stimmen. Solche Solisten, wie sie hier zu hören waren, kommen nur alle paar Jahre nach Israel und die Begegnung mit ihnen bringt uns die Wahrnehmung von der Qualität wieder zurück, die notwendig ist, um eine perfekte Erfahrung von diesem großen oratorischen Ereignis zu haben.
Wir müssen den Festivalorganisatoren und auch den deutschen Einrichtungen, u.a. der Hansestadt Hamburg und dem Goethe-Institut für dieses Konzert danken.
Der Bariton Ralf Lukas (der einzige Westdeutsche in dem Team) ist begabt mit einer ausgezeichneten Stimme und königlichen Farbtönen. Man konnte seinen Auftritt als perfekt bezeichnen.
Der Tenor Nils Giesecke, ein Mann aus Leipzig, hat nicht weniger beeindruckt in seiner relativ bescheidenen Rolle, die ihm Mendelssohn in diesem Werk gegeben hat. Die Stimme von Giesecke ist im Programm als lyrisch bezeichnet worden, aber er hat eine große Resonanz im Saal.
Die Sopranistin Katherina Müller, auch sie aus der Stadt Bachs, produziert eine wunderschöne klare Stimme, die Freude macht zu hören. Das gleiche gilt auch für die Altistin Elisabeth Wilke.
Der Monteverdi-Chor, dessen erster Dirigent Jürgen Jürgens war, besteht aus etwa 60 Teilnehmern unter denen einige sind, die solistischen Qualitäten haben, wie sie im Elias benötigt werden. Das war eine ausgezeichnete Wiedergabe für einen so großen musikalischen Klangkörper, besonders klar und deutlich ohne zu forcieren.
Der Dirigent Gothart Stier hat Erfahrung mit solchen oratorischen Events seit Jahrzehnten und weiß, das ihm zur Verfügung stehende große stimmliche Potential in die richtige Richtung zu führen ohne zu übertreiben. Dies ist auch bedeutsam für das Henry Crown Konzert, das heute abend stattfinden wird. Stier hat durch das ganze Werk das hohe Niveau aufrecht erhalten können.
Hagai Hitron (übersetzt von Chani Zelis)
a-capella-Konzert
"Jerusalem Post" - 30.05.2005:
Friede auf Erden
Vom Beginn des Psalms 100 von Mendelssohn "Jauchzet dem Herrn alle Welt" an verzauberte der Monteverdi-Chor unter der Leitung von Gothart Stier.
Strahlende Soprane, weiche Tenöre und Altistinnen sowie kraftvolle Bässe, sie alle waren großartig vereint. Die tadellose Balance, die klare Artikulierung und die großartige Stimmkultur machten die Aufführung des Chores zu einer reinen Freude.
Bezaubernd elegante Koloraturen schmückten Johann Bachs "Unser Leben ist ein Schatten". Brahms "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" war zutiefst bewegend. Später wurden in Richters "Da Israel aus Ägypten zog" humorige Figurationen mit Schärfe dargestellt.
In Kürze, all die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Chores zeigten einen Grad von Perfektion, wie man ihm nur selten im Chorgesang begegnet.
Ury Eppstein (übersetzt von U. Jürgens)
Geistliche Chormusik
"Buxtehuder Tageblatt" - 24.05.2005:
Perfektes Bündel kredenzt
Monteverdi-Chor sang
von Barbara Hagemann-Gerhardt
Steinkirchen. Was ist das Geheimnis eines Chores, der über eine Stunde lang fast den Atem nimmt und jede Note, jeden Klang als Geschenk begreifen lässt? Das mag sich am Sonntagnachmittag in der vollbesetzten Steinkirchener St. Martini-et-Nicolai-Kirche nach langem Dank an die Veranstalter (Kulturverein Steinkirchen) und Gratulationsstürmen für die Sänger manch einer gefragt haben.
Der Hamburger Monteverdi-Chor ist es gewohnt, von Komplimenten im Superlativ umschwärmt zu werden, das Konzept dahinter bürgt für Konzerte und Glücksstunden rund um den Globus. Es wird auf unaufdringliche, harte Disziplin gesetzt, auf absolute Sprachverständlichkeit, auf präsente Abstimmung mit den Nachbarn auf dem Podium, auf präzise Ausgewogenheit der einzelnen Stimmfraktionen, auf punktgenaue Reinheit und allem voran den wachsamen Dialog mit dem Dirigenten.
In Gothart Stiers Händen (er ist selbst namhafter Sänger und Chordirektor in Halle) lag dies alles als perfektes Bündel, wurde modelliert und ging von da zurück zu einer halben Hundertschaft auffällig vieler junger Kehlen, die ganz und gar unangestrengt, ohne Instrumentalunterstützung einen Studiengang durch vier Jahrhunderte geistlicher Chormusik kredenzte. Bereichert wurde das Ganze durch Werke von Bach und Zeyboldt mit Volker Ebers an der Arp-Schnittger-Orgel.
Eine Motette von Johann Bach ("Unser Leben ist ein Schatten"), dem Großonkel von Johann Sebastian und ältestem der vorgetragenen Komponisten, machte gleich zu Beginn deutlich, worum es den Hamburgern in erster Linie geht: Inhalte glaubhaft auszudrücken. Nur wer sich daran hält, kann den tiefen Jubel Bachs, die Dichte und Fülle der barocken Harmonien Monteverdis ("Laudate pueri"), die tückisch- schwierigen auf- und abschwellenden Stimmungen der Romantik (Mendelssohn-Bartholdys "Jauchzet dem Herrn" und "Richte mich Gott"), das spannungsvolle "Locus iste" und "Ave Maria" Bruckners, die wunderbare Klangpracht und demütigen pianissimi Regers ("Der Mensch lebt und besteht nur kurze Zeit" und das "Nachtlied") sowie die voluminösen Nachdenklichkeiten in Peppings "Ein jegliches hat seine Zeit" so ergreifend, klar und zugewandt nachempfinden, wie es der Monteverdi-Chor vermag.
Donnerstag fliegt er nach Israel zu einem Internationalen Festival. Dort wird mit einem Großteil des Steinkirchener Programms das 50-jährige Chorjubiläum gefeiert - und feiern heißt bei Monteverdis natürlich singen.
Geistliche und weltliche Chormusik
"Harburger Anzeigen und Nachrichten" - 23.05.2005:
Reise durch vier Jahrhunderte
Der Monteverdi-Chor faszinierte bei der Musikgemeinde mit Musik vom Barock bis zur Moderne.
von Jan-Barra Hentschel
Heimfeld. Ein Chor zu Gast bei der Musikgemeinde Harburg - das ist eher die Ausnahme. Diesmal kam kein Orchester oder Kammermusikensemble in die Heimfelder Friedrich-Ebert-Halle, sondern das vokale Aushängeschild der Hansestadt: der international vielbeachtete Monteverdi-Chor Hamburg. Der Anlass konnte nicht bedeutender sein - in diesem Jahr feiert der Chor sein 50jähriges Bestehen. 1955 war er von Jürgen Jürgens als Chor am italienischen Kulturinstitut in Hamburg gegründet worden und erlangte unter seiner Leitung schnell Weltruhm. Nach Jürgens Tod übernahm Gothart Stier 1994 die Geschicke des brillanten Vokalensembles.
Ende Mai wird der Monteverdi-Chor beim Israel-Festival in Jerusalem Deutschland künstlerisch vertreten. Das in Heimfeld präsentierte Programm war ganz auf dieses besondere Ereignis abgestimmt. Natürlich durften die Hamburger Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms sowie der italienische Namensgeber des Chores nicht fehlen. Gleich in den ersten beiden Stücken des Abends - Mendelssohns Psalmvertonung "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" und Monteverdis Motette "Laudate pueri, Dominum" - offenbarten sich die Vorzüge der Sängerinnen und Sänger: In einem faszinierend homogenen Gesamtklang mit herrlich sanftem Timbre erhielt jedes der Werke seinen besonderen Charakter. Mal lyrisch, mal dramatisch, mal polyphon fein ziseliert: Interpretatorisch schöpfte der grandiose Monteverdi-Chor aus dem Vollen.
Und es gab Entdeckungen zu machen: die romantische Motette "Da Israel aus Ägypten zog" von Ernst Friedrich Richter, Ernst Peppings hintergründiges "Ein jegliches hat seine Zeit" und Hugo Distlers spröde Mörike-Vertonung "Der Feuerreiter". Modern wurde es in Luigi Dallapiccolas genialen Chören auf Texte von Michelangelo. Mit zwei deftigen Liebesliederwalzern von Brahms endete das Programm, das in den nicht-a-capella-Werken souverän von Gesa Werhahn am Flügel begleitet wurde.
Geistliche und weltliche Chormusik
"Harburger Anzeigen und Nachrichten" - 26.04.2005:
Klangfrisch seit 50 Jahren
Monteverdi-Chor eröffnete Konzerte zur Baumblüte
Altenwerder (ma). Mit dem Auftritt des Hamburger Monteverdi-Chores wurden die "Altenwerder Baumblütenkonzerte" in der Kirche St. Gertrud eröffnet. Das Gesangsensemble, dass unter Kennern als der beste Amateurchor Hamburgs gilt, hat dem Anlass entsprechend ein sehr frühlingshaftes Programm einstudiert. Unter der Leitung von Gothart Stier demonstrierte der Traditionschor seine vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten.
Die erste Hälfte widmete sich dabei der geistlichen Musik. Glasklar und transparent erklangen die polyphonen Werke von Schütz, Bach und Monteverdi, so sauber, dass der Melodiebogen jeder einzelnen Stimme ohne weiteres zu verfolgen war.
Zwischen den Gesangsstücken beeindruckte Hansjörg Albrecht an der Orgel und gab den Sängern Gelegenheit, neue Kraft für den nächsten Auftritt zu schöpfen.
Die zweite Hälfte des Konzerts bestand aus Frühlingsliedern durch mehrere Jahrhunderte. Natürlich fehlte auch im weltlichen Teil Namensgeber Claudio Monteverdi nicht. Zu ihm gesellte sich sein Zeitgenosse Heinrich Schütz. Mit Felix Mendelssohn Bartholdy und dem dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade wurde es romantisch. Die beiden haben zu ihrer Zeit eng und konstruktiv zusammengearbeitet und fast schien es, als wären auch die Monteverdi-Sänger dabei gewesen. So souverän, wie sie mit der Kunst der Fuge umgingen, so überzeugend brachten sie auch das sehnsuchtsvolle Schmachten der Romantik zum Klingen.
Das Konzert schloss mit der Ballade "Der Feuerreiter" von Hugo Distler. Hier schien es, als würde sich die Kirche verdunkeln. Drohend, dämonisch, dramatisch erzählten sie die Mär vom geisterhaften Feuerreiter, der die alte Mühle in Flammen aufgehen lässt.
Mitten in den Applaus des begeisterten Publikums hinein betrat der ehemalige Universitätspräsident, Peter Fischer-Appelt, das Geschehen. Er gratulierte dem Monteverdi-Chor zum 50jährigen Bestehen und Chorleiter Gothart Stier zu seiner ausgezeichneten Arbeit.
"Hamburger Abendblatt" - 29.04.2005:
Monteverdi-Chor - souveräner Auftritt
Altenwerder - Den Stadtteil Altenwerder gibt es nicht mehr, aber die St. Gertrud-Kirche steht noch und wird genutzt. Eine gewisse Tradition haben dort die Konzerte zur Baumblüte, und das erste in diesem Jahr war gleich prominent besetzt, trat doch der Hamburger Monteverdi-Chor auf.
Freunde des Chorgesangs wissen es: Dies ist ein Laienchor auf höchstem Niveau. Vor kaum glaublichen 50 Jahren wurde er von Jürgen Jürgens gegründet, dem damaligen Hamburger Universitäts-Musikdirektor. Jürgens hatte diesen Kammerchor zu einem der besten von ganz Deutschland gemacht. Sein Nachfolger ist seit einigen Jahren Gothart Stier. Und immer noch gilt: Der Chor singt auf einem für Laien wohl nicht mehr zu steigernden Niveau.
Das Programm war zweigeteilt. Die erste Hälfte brachte Geistliches, natürlich von Claudio Monteverdi, dann von Heinrich Schütz, der ein glühender Bewunderer seines italienischen Zeitgenossen war. Dann sang man die virtuose und schwere Motette "Lobet den Herren, alle Heiden" von Bach; hier und beim Schütz begleitete die Orgel, gespielt von Hansjörg Albrecht. Ein Romantiker folgte noch: Ernst Friedrich Richter.
Die Orgel hatte einen weiteren Soloauftritt, eine Improvisation über den "Feuerreiter", die zum zweiten, weltlichen Teil über-leitete. Hugo Distlers Vertonung dieser Mörike-Ballade bildete den Abschluß des Konzerts. Zuvor noch einmal Monteverdi und Schütz, dann Sätze von Niels Gade und Felix Mendelssohn, damit also Stücke aus dem für den bürgerlichen Chorgesang so wichtigen 19. Jahrhundert.
Der ehemalige Uni-Präsident Peter Fischer-Appelt, der den Chor seit Jahrzehnten kennt, sprach bewegende Worte auf die Sänger und ihr Engagement, die als Zugabe Max Regers "Die Nacht ist kommen" sangen. Auch hier war sie wieder bestechend: die technische Souveränität. pal
BACH: h-moll Messe
Solisten: Katherina Müller - Annette Markert - Christian Zenker - Klaus Mertens
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Lübecker Nachrichten" - 01.02.2005:
Glänzende Aufführung der h-Moll-Messe
LÜBECK - Das war eines Jubiläums würdig. Bachs "Hohe Messe h-Moll" hatte Gothart Stier zum 50jährigen Bestehen des Monteverdi-Chores Hamburg einstudiert. Das Ergebnis begeisterte am Sonntag im Dom die Musikfreunde restlos.
Gothart Stier bot die Chorpartien nicht nur temporeich, sondern dynamisch ungemein vielfältig ausgehorcht und abgestuft. Selbst in den siegesgewissen, glaubensstarken Zeilen wurde derart abwechslungsreich musiziert, dass die Wechsel zwischen piano und forte innerhalb der Sätze eine fast atemlose Spannung schufen. Aber auch besinnliche Teile, etwa das "Benedictus", erhielten ihr Recht. Stier reihte mehrmals die einzelnen Abschnitte nahtlos aneinander. Das Ergebnis: die sonst eher als "länglich" eingestufte Messe wurde zum kurzweiligen Erlebnis.
Nicht nur der Chor lieferte eine große Leistung ab, bestens disponiert war auch das Staatsorchester aus Halle. Bei den Solisten war kurzfristig der Tenor ausgetauscht. Christian Zenkers junge, unverbrauchte Stimme erfreute mit wohltuender Höhe. Mit Klaus Mertens war die Basspartie hell und klar verständlich besetzt. Annette Markert (Alt) wurde mit schlanker Tongebung und viel Ausstrahlung ihrer Partie gerecht. Die Sopranistin Katherina Müller fügte sich bestens ein. kd
BACH: h-moll Messe
Solisten: Katherina Müller - Annette Markert - Martin Petzold - Klaus Mertens
Philharmonisches Staatsorchester Halle
Konzertankündigung - "Hamburger Abendblatt" - 29.01.2005:
Botschafter der Musik
Monteverdi-Chor feiert 50. Jubiläum im Michel
Von Bettina Brinker
Hamburg - Mit einer Frage in der Straßenbahn fing es an. Ob man nicht in einem Chor am italienischen Kulturinstitut mitsingen wolle. Den hatte Jürgen Jürgens nämlich 1955 übernommen: "Lauter alte Damen, die sich zum Singen zusammenfanden", weiß Ursula Jürgens aus Erzählungen ihres Mannes. Und den wollte Jürgen Jürgens rundum erneuern. Aus dem "Chor am Italienischen Kulturinstitut" wurde der "Monteverdi-Chor".
Das war vor 50 Jahren. Seither hat sich viel getan. Die Repertoireliste des Amateurchores, der an diesem Sonnabend anläßlich seines Jubiläums Bachs h-Moll-Messe im Michel singt (begleitet vom Philharmonischen Staatsorchester Halle) ist über die Jahre beachtlich angewachsen: von Ockeghem über Bach bis Ligeti und Penderecki - und natürlich immer wieder Monteverdi: die "Marienvesper", Madrigale und Motetten.
Wettbewerbe, erste Preise, unzählige Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen und Konzertreisen rund um den Globus brachten der hanseatischen Gesangsvereinigung außerdem den Ruf eines weltweiten Botschafters deutscher Musikkultur ein. "Musik ist die internationalste Sprache der Welt", lautete ja auch das Credo des 1994 verstorbenen Jürgen Jürgens. Dirigent und Konzertsänger Gothart Stier hat diese Tradition fortgeführt. Er arbeitet nach dem Motto aus Beethovens "Missa solemnis": "Von Herzen - möge es wieder zu Herzen gehen". Das bedeutet für ihn, "auf hohem künstlerischen Niveau zu gestalten, so daß die Aussage der Werke durch unser expressives Musizieren die Zuhörer in ihren Bann zieht".
Doch wie konnte der Chor über ein halbes Jahrhundert lang sein künstlerisches Niveau halten? Disziplin, meint Ursula Jürgens. Ein bis zweimal im Monat wird am Wochenende mit Stier geprobt. Darauf bereiten sich die rund 90 Sänger in Eigenregie vor. "Eine Klammer für den Chor sind vor allem auch die Konzertreisen", sagt Ursula Jürgens. "Die schweißen zusammen. Und nur so ist es möglich, daß die Sänger soviel Zeit investieren."
Und was wünscht sich Gothart Stier für die Zukunft des selbstfinanzierten Chores? "Daß unsere Arbeit in Hamburg mehr Aufmerksamkeit erfährt. Für mich ist es ein Wunder, daß der Monteverdi-Chor nun schon seit 50 Jahren auf sehr hohem Niveau das Hamburger Musikleben vor allem außerhalb der Stadt vertritt. Es wäre schön, wenn der Chor irgendwann einmal so abgesichert wäre, daß er auch bei seinen Hamburger Konzerten sorgenfrei musizieren kann."
MENDELSSOHN: Elias
Solisten: Ute Selbig - Alexandra Petersamer - Martin Petzold - Adrian Eröd
Mitglieder des Gewandhausorchesters Leipzig
"Leipziger Volkszeitung" - 02.11.2004:
Der "Elias" ist nur eine von sechs Veranstaltungen an diesem ersten Tag der Mendelssohn-Festtage. Vom Festgottesdienst mit dem Thomanerchor über die Gesamtaufführung der Lieder ohne Worte im Mendelssohn-Haus bis hin zur Ausstellungseröffnung im Schumann-Haus reicht das breit gefächerte Angebot am Sonntag.
Begeisternder Elias in der Thomaskirche
Die Thomaskirche ist bei der Aufführung von Mendelssohns großem Oratorium gut besucht. Nun sind ja Gothart Stier und sein Monteverdi-Chor Hamburg auch keine Unbekannten in Leipzig. Im Gegenteil: Das gemeinsame Benefizkonzert mit Mitgliedern des Gewandhausorchesters zugunsten der Thomaskirche hat sich schon zu einer festen Größe der Mendelssohn-Feierlichkeiten etabliert. Und wie immer begeistert der Chor durch perfekte Textverständlichkeit und engagiertes Singen. Auch die kleineren Ensembles wie "Hebe Deine Augen auf" oder "Denn er hat seinen Engeln" sind aus dem Chor heraus hervorragend besetzt.
In der Titelpartie ist der junge Adrian Eröd als Sänger und Interpret eine Idealbesetzung. Mit kraftvoll strahlendem Bariton verkörpert er bei "Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer" glaubhaft den religiösen Eiferer, zeigt in seinen anderen Arien aber auch die empfindsamen Facetten der Prophetenpersönlichkeit. Für die anderen Partien hat man mit Ute Selbig (Sopran) und Alexandra Petersamer (Alt) ebenfalls exzellente Sänger gewonnen. Tenor Martin Petzold setzt mit seiner Arie "Dann werden die
Gerechten leuchten" zum Schluß nochmals einen solistischen Glanzpunkt, bevor Gothart Stier mit sportlichem Tempo den strahlenden Schlußchor einleitet.
Das Publikum will sich erst nach langem Applaus verabschieden. Dabei haben die Mendelssohn-Festtage doch gerade erst angefangen ...
Tobias Wolff
MENDELSSOHN: Elias
Solisten: Ute Selbig - Alexandra Petersamer - Martin Petzold - Adrian Eröd
Mitglieder des Gewandhausorchesters Leipzig
"Mitteilungsblatt der Neuen Bachgesellschaft e.V. - Winter 2004/2005":
"Der dram(m)atische Bach" lautete das Motto, unter dem vom 29.10.-07.11.2004 in der Freien und Hansestadt Hamburg das 79. Bachfest der Neuen Bachgesellschaft e.V. stattfand. Nach den Bachfesten von 1921 und 1965 versammelten sich nunmehr zum dritten Mal in der Geschichte der NBG die Freunde der Bachschen Musik in der traditionsreichen Stadt der Kirchenmusik an der Elbe, die für ihre Gäste ein breitgefächertes Angebot erstrangige rmusikalischer Veranstaltungen ... vorbereitet hatte.
"Hamburger Morgenpost" - 01.11.2004:
Endlich ist es so weit. Nach fast vierzig Jahren kommt das Bachfest der Neuen Bachgesellschaft Leipzig wieder nach Hamburg.
Chormusik aus vier Jahrhunderten "Verdener Nachrichten" - 02.06.2004:
von unserer Mitarbeiterin Susanne Ehrlich
"Verdener Allgemeine Zeitung" - 02.06.2004:
Von Hans Peter Farke
"Dramma per musica"
Eindrück vom 79. Bachfest der NBG in Hamburg
...
Wenn man bei einem so vielseitig und hochkarätig ausgestattetem Ereignis wie dem Hamburger Bachfest überhaupt von Gipfelpunkten sprechen will, so ist an erster Stelle die Aufführung des Elias Op. 70 von Felix Mendelssohn Bartholdy zu nennen. Das Oratorium erklang in der voll besetzten Hamburger Musikhalle. Ausführende waren der Monteverdi-Chor Hamburg und Mitglieder des Gewandhausorchesters Leipzig unter der Leitung von Gothart Stier. Es lässt sich schwer in Worte fassen, wie tief die Zuhörer von dieser Aufführung ergriffen waren. Gebannt folgten sie vom ersten bis zum letzten Tag dem dramatischen Geschehen, das der Chor mit einer bewunderswerten Modulationsfähigkeit und Dynamik nachzeichnete. Und gleichsam als Gegengewicht die glockenhelle, hochsensible Sopranstimme von Ute Selbig und das fühlbar-warme Bariton-Timbre von von Adrian Eröd. Alexandra Petersamer (Alt) und Martin Petzold (Tenor) ergänzten auf eindruckvolle Weise das Solistenquartett. Dieser Konzertabend entsprach im wahrsten Sinne des Wortes einer musikalischen Sternstunde, über der das Wort des Jeremias 29, 13-14 "So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen, spricht unser Gott" zu schweben schien. Alle, die dieses Ereignis miterlebt haben, werden es noch lange im Gedächtnis behalten.
Aus dem Jahrhundertschlaf geweckt
Das 79. Bachfest ist nach 40 Jahren endlich wieder in Hamburg
...
Auf dem Bachfest können sich auch alle Nicht-Musiker zum Glauben bekehren lassen. Etwa mit dem "Elias" des Bachverehrers Mendelssohn Bartholdy. Der Monteverdi-Chor Hamburg und Mitglieder des Gewandhausorchesters Leipzig unter der Leitung von Gothart Stier begeisterten das Publikum mit einem überaus lebendigen und musikalisch ausgefeilten Oratorium. Diese Aufführung mit ihren hervorragenden Gesangssolisten Ute Selbig, Alexandra Petersamer, Martin Petzold und Adrian Eröd setzte Maßstäbe.
Vielleicht wird man vom 79. Bachfest in einer Woche dasselbe sagen.
...
Montag, 31. Mai 2004 - 16:00 Uhr
Musikalischer Höhepunkt im Dom
Monteverdi-Chor aus Hamburg begeistert das Verdener Publikum
Verden. Mit dem renommierten Hamburger Monteverdi-Chor wurde das Konzert zum Pfingstfest im Dom zu einem musikalischen Highlight. Die Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Gothart Stier, die nach einer Konzertreihe in Bielefeld und Osnabrück einen Abstecher nach Verden machten, sind unter anderem für ihr hervorragendes a-capella-Repertoire bekannt.
Mit äußerster Exaktheit bei Einsätzen, Intonation und Artikulation entfaltete der Chor immense Klangkraft, deren strahlende Klarheit und Durchhörbarkeit selbst im komplizierten Geflecht moderner Doppelchörigkeit bei Arnold Schönberg Bestand hatte.
Mit den lateinischen Gesängen "Exsultate Deo" von Scarlatti sowie "Laudate pueri" von Claudio Monteverdi erfüllte vom ersten Moment an eine Atmosphäre feierlicher Würde das gut gefüllte Domschiff. Spontane Präsenz ab dem ersten Takt, ein meisterhafter Spannungsaufbau und glasklare Strukturen machten die Vers für Vers in kurzen Fugen gearbeitete, sich am Ende zu triumphfahler Begeisterung steigernde Psalmvertonung Monteverdis zu einer Kostbarkeit.
Von besonderer Faszination war die Motette "Unser Leben ist ein Schatten" von Johann Bach (1604-1673), deren sechsstimmiger Chor durch eine Fernchor im Altarraum des Domes ergänzt wurde. Der Kontrast zwischen den modern anmutenden virtuosen Koloraturen und der Leuchtkraft des Hauptchores auf der einen Seite und den zarten, schlichten Akkorden des Fernchores ließ einen tiefgründigen geistlichen Dialog entstehen.
Als "biblische Inszenierung" war die Psalmmotette "Da Israel aus Ägypten zog" von Ernst Friedrich Richter (1808-1879) gestaltet. Tonmalerische Darstellungen des fliehenden Meeres oder der wie Lämmer hüpfenden Berge wechselten mit aufgeregtem Rufen und Erzählen der Kinder Israels. Freudige Aufregung und höchste Spannung wandelten sich am Ende in staunende Ehrfurcht, aus der die hohen Soprane wie helle Lichter erstrahlten.
Die Gegenüberstellung der Psalmvertonung von Johannes Brahms "Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz" mit Bruckners "Locus iste" und "Ave Maria" zeigte einmal mehr dass das vielbeschworene Kontrahententum der beiden großen Spätromantiker offenbar vor allem in den Köpfen ihrer Anhänger existierte. Beiden gemeinsam waren tiefer geistlicher Ernst und ein meisterhafter Einsatz des Klangkörpers zur Gestaltung beglückender Harmonieschichtungen und herrlicher Crescendi. In den leisesten Passagen dieser so unaufdringlich virtuosen Musik zeigte der Chor ebensoviel Exaktheit wie im strahlendsten Fortissimo.
Weitere Höhepunkte waren die modernen Motetten "Ein jegliches hat seine Zeit" von Ernst Pepping (gestorben 1981) und "Friede auf Erden" von Arnold Schönberg nach einem Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer.
Auch für die Interpretation neuerer Musik erwies sich der Chor mit seiner Präzision und strengen Disziplin als ideal. Eine akademische Herbheit der Empfindung, die sich an manchen Stellen beobachten ließ, wurde hier geradezu ein Muss. Die Poesie und Weisheit der herrlichen Bibelworte ließ das Werk Peppings zu einem Appell von größter Kraft und Bestimmtheit werden, der durch den besonders zurückgenommenen innigen Schluss noch verstärkt wurde.
Als Zugabe für das rundum begeisterte Publikum erklang - was sonst? - Rheinbergers Abendlied, das im Verdener Dom bereits zahlreiche unterschiedlichste Aufführungen erlebt, jedoch bisher sicher keine schönere.
Zuschauer erlebten überzeugende Darbietungen
Chorkonzert der Extraklasse / Hamburger Monteverdi-Chor gastierte im gut besuchten Verdener Dom
Verden. Die Dom-Kirchengemeinde hatte am Pfingstmontag zu einem Chorkonzert in den Verdener Dom eingeladen. Viele Musikinteressierte hatten die Einladung angenommen und erlebten überzeugende Darbietungen des Hamburger Monteverdi-Chores unter der Leitung von Dirigent Gothart Stier.
Der Hamburger Monteverdi-Chor zählt zu den renommiertesten deutschen Chören. Er wurde 1955 von Jürgen Jürgens gegründet und ist seit dessen Berufung an die Universität Hamburg im Jahre 1961 organisatorisch in die Akademische Musikpflege der Universität integriert. In den frühen 70er Jahren hatte Jürgens schon einmal mit seinem Monteverdi-Chor im Verdener Dom gesungen - damals auf Einladung des Verdener Vereins für Kunst und Wissenschaft.
Im August 1994 übernahm der Leipziger Dirigent Gothart Stier die künstlerische Leitung des Chores. Bei seinen vielen Aufgaben stechen besonders die kommissarische Leitung des Münchener Bachchores von 1991 bis 1994, die Leitung des Dresdener Kreuzchores und seit 1995 die künstlerische Leitung der Robert-Franz-Singakademie Halle hervor.
Der Chor tritt in der Regel mit 40 bis 50 Sängerinnen und Sängern auf. Die Proben konzentrieren sich auf die Wochenenden.
Beim Konzert in Verden wurde das Publikum von Kirchenmusikdirektor TillmannBenter begrüßt, der an der romantischen Orgel mit "Fantasie und Fuge in e-moll" von Carl Philipp Emanuel Bach und der "Melodia B-Dur" von Max Reger musikalische Akzente setzte und für zwei angemessene Ruhepausen für den Chor sorgte.
Gothart Stier und sein Monteverdi-Chor begannen mit zwei Werken aus dem italienischen Barock: "Exsultate Deo" von Alessandro Scarlatti und "Laudate pueri, Dominum" von Claudio Monteverdi.
Der Hörer musste sich zunächst mit der Aufstellung des Chores - alle vier Stimmen nebeneinander - zurechtfinden, um dann die deutlich strukturierte Interpretation, die dem barocken Klangbild entsprechende dynamische Abstufung und die sichere Intonation genießen zu können.
Die folgende Motette für sechsstimmigen Chor und dreistimmigen Fernchor "Unser Leben ist ein Schatten" des Komponisten Johann(es) Bach (Organist in Erfurt) ist für jede Interpretation problematisch. Im zweiten Abschnitt singt der dreistimmige Fernchor die beiden Strophen und der sechsstimmige große Chor wiederholt den letzten Abschnitt. Gothart Stier entschied sich für die Verstärkung.
Trotz der einwandfreien Ausführung (lediglich der Fernchor hatte leichte Intonationsprobleme) bleiben bei dieser Motette immer Fragen offen.
Bei der achtstimmigen Psalm-Motette von Ernst Friedrich Richter (1808 bis 1879), "Da Israel aus Ägypten zog", bestachen Durchsichtigkeit und Ausgewogenheit des Chorklangs. Johannes Brahms Psalm-Motette "Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz" wurde im Anfangsteil sehr langsam genommen, ohne das Spannung verloren ging. Die Fuge gelang durchsichtig und intonationssicher. Die bekannten Motetten "Locus iste" und Ave Maria" von Anton Bruckner waren auf dynamische Entwicklung angelegt und von guter Textverständlichkeit geprägt.
Ernst Peppings Motette "Ein jegliches hat seine Zeit" stellt für den Chor besondere Ansprüche in bezug auf Harmonik und melodische Entwicklung. Hier, wie auch bei anderen Werken, waren die Passagen, die in großer Höhe und voller Lautstärke gesungen wurden, ein wenig zu forciert.
Max Regers Motette für zwei vierstimmige Chöre "Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit" war von guter Artikulation und Phrasierung geprägt und bestach durch Ausdruck und dynamische Entwicklung und Spannung in der Interpretation des Monteverdi-Chores.
Das "Nachtlied" von Max Reger für fünfstimmigen Chor war nach den aufregenden Interpretationen des vorherigen Programms ein schöner beruhigender Abschluss, der durch die Zugabe "Abendsegen" von Joseph Rheinberger, noch gesteigert wurde. Das Publikum war mit Recht begeistert.
Chormusik aus vier Jahrhunderten
"Neue Westfälische" - 02.06.2004:
VON MICHAEL BEUGHOLD
Schwindeln-machende Perfektion
Monteverdi-Chor Hamburg gastiert in Marienkirche
Bielefeld. Auf ihre vielen guten bis ausgezeichneten Chöre kann die musikfreundliche Stadt am Teuto mit Recht stolz sein. Doch was die große Besucherschar beim Gastspiel des Hamburger Monteverdi-Chors zu Pfingsten in der Neustädter Marienkirche zu hören bekam, war chormusikalisch in einer anderen Klasse: A-cappella-Kunst der Champions League.
Der Monteverdi-Chor Hamburg zählt zu den renommiertesten deutschen Konzertchören, demnächst 50 Jahre und fast so viele (Kehl-)Köpfe. Unter der künstlerischen Leitung von Gothart Stier (dessen man sich auch als Bass-Solist in Musikvereinskonzerten erinnert) erscheint die Gesangstechnik allseits perfekt, das Klangbild makellos, der Vortrag von einer den Hörer schier schwindelig singenden Kunstfertigkeit: Man kommt vom ersten bis zum letzten Ton aus dem beglückten Staunen kaum heraus.
Was gab es im anderthalbstündigen Programm, zu dem Marienkantorin Ruth M. Seiler an der Orgel Beflügelt-Vollgriffiges von Bach und Mendelssohn beisteuerte, im Einzelnen zu bewundern? Vorab ein abhebend-beschwingtes Scarlatti-"Exsultate", dann Monteverdi natürlich. In seiner Psalmmotette "Laudate pueri Dominum" bestachen etwa die minuziös realisierten Umschwünge in Tempo, Metrik und Ausdruck, die Kunst, Zeilen mit stilgerechtem, in nichts romantisch befrachtetem Ritardando ausklingen zu lassen, oder die vibrierend klangwirbelnde Bildhaftigkeit "Er hebt auf den Hilflosen aus dem Staub". Das wurde barockmusikalisch noch getoppt in der Johann Bach, Großonkel des großen Johann Sebastian, zugeschriebenen Motette "Unser Leben ist ein Schatten auf Erden": Wie dieser Chor die Dramaturgie von Haupt- und Fernchor, dynamisch fein- und schattenmäßiges Verdünnisieren tonmalerisch nachzeichnete, war von einzigartiger Raffinesse.
Den Romantik-Teil eröffnete mit dem Thomaskantor Ernst Friedrich Richter ein ähnlich Unbekannter: "Da Israel aus Ägypten zog" scheint klassizistisch an Haydnsche Naturdarstellungen anzuknüpfen; was in der Wiedergabe pointierte Eleganz bei Bedarf mit einer Rasanz verband, die anscheinend mühelos über jede natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung hinwegsingt.
Über Brahms "Schaffe in mir Gott" mit seiner fugischen Ausdrucksvielfalt wurde es in den beliebten Bruckner-Kleinoden "Locus iste" und "Ave Maria" wunderbar romantisch, wenn der Chor um nichts weniger tonschlank, transparent und spirituell auslotend sein Gefühl für Klang offenbarte.
Mit traumwandlerischer Sicherheit intonierte dieser Klangkörper Arnold Schönbergs K.F. Meyer-Vertonung "Friede auf Erden", die bei der Uraufführung 1907 nur instrumentalgestützt sauber zu realisieren war. Ebenso wie in Ernst Peppings Prediger-Suada "Ein jegliches hat seine Zeit" (1937) war jeder Ton, jede Lineatur in einem Stimmensatz von kristallin blitzender und gehärteter Schönheit und hochkonzentrierter Expressivität aufgehoben.
Mit Max Regers transzendierend innig gestalteten Vergänglichkeits-Gesängen op. 138 klang ein Ausnahme-Chorkonzert aus, von dem die Bielefelder Hörer wohl noch lange zehren können.
Chormusik aus vier Jahrhunderten
"Neue Osnabrücker Zeitung" - 01.06.2004:
Osnabrück (wk) Frohlocken und Jubel, überschwängliche Koloraturen, Festtagsstimmung. Mit einem schallenden "Exsultate Deo" Alessandro Scarlattis eröffnet der Monteverdi-Chor Hamburg sein "Chorkonzert zum Pfingstfest" in der Osnabrücker Katharinenkirche. Chorleiter Gothart Stier spannt den Bogen von Claudio Monteverdi, dessen fünfstimmige Psalmvertonung "Laudate pueri, Dominum" sehr rhythmusbetont und dadurch fast tänzerisch wirkt, über die Bach-Motette "Der Geist hilft unser Schwachheit auf" bis hin zu den atonalen Klängen von Schönbergs "Friede auf Erden" op. 13.
Frohlocken und Pfingst-Jubel
Monteverdi-Chor in St. Katharinen
Der Chor lässt Monteverdis Psalm ebenso authentisch erklingen wie den verschachtelten Friedensruf Arnold Schönbergs. Auch Werke der Romantik werden spielend umgesetzt. Wunderbar expressiv und musikalisch vielseitig erklingt die Psalm-Motette "Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz" von Johannes Brahms. Weichen, fließenden Klängen zu Beginn stehen ein bewegtes Fugato und chromatische Läufe in der Mitte entgegen. Mit zwei Motetten Anton Bruckners zeigt der Chor seine Fähigkeit zur dynamischen Gestaltung. Sehr zurückhaltend und transparent gesungen und dadurch fast losgelöst schwebend wirkt der Beginn von "Locus iste". Ein majestätisches Forte beherrscht weite Passagen der Motette "Ave Maria", die mit einem strahlenden "Amen" ausklingt.
Ungewohnte Klänge bringt Ernst Peppings Prediger-Motette "Ein jegliches hat seine Zeit". Mit breitflächigen und dabei doch transparenten Klängen stellt der Komponist den immerwährenden Kreislauf von "Geborenwerden und Sterben" dar. Einzelne Stimmen lösen sich aus dem homophonen Chorklang, lassen Wörter wie "lieben und hassen" besonders hervortreten und ordnen sich dann wieder in den Gesamtklang ein.
Mit glänzend ausgeführter Polyphonie in Bachs Choral "Komm, Gott Schöpfer, Heilger Geist" und einem freudvollen "Allegro" in der "Fantasie f-Moll" von Mozart rundet Arne Hartje an der Orgel das Programm ab.
DVORAK: Requiem
Solisten: Gundula Hintz - Elisabeth Wilke - Ales Briscein - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Das Orchester" - Mai 2004:
In der ausverkauften Marktkirche gedachten die Philharmonie und der Monteverdi-Chor Hamburg des 100. Todestages von Antonin Dvorák. Unter der Leitung von Gothart Stier wurde zu Ehren des Komponisten sein Requiem op. 89 aufgeführt. Innerhalb der zurückliegenden hundert Jahre avancierte das Werk zu einer der wichtigsten musikalischen Totenmessen.
Ein Gefühl von der Ewigkeit
Philharmonisches Staatsorchester Halle ehrt Dvorák
Das ist paradoxerweise gerade auf die unverkennbar lebensbejahende Handschrift des Meisters zurückzuführen - ebenso wie auf die Struktur des Werks. Alle Teile er Komposition sind mit einem als "Memento mori" wirkenden Motiv verbunden. Auch die Themen sind systematisch ineinander verschränkt, sodass ein einziger großer lyrischer Bogen der Messe eigen ist. Für diesen Bogen ist nicht zuletzt eine in sich geschlossene Solistenbesetzung notwendig. Mit Gundula Hintz, Elisabeth Wilke, Ales Briscein und Ralf Lukas war sie gefunden. Bald fand die mit außerordentlich gut disponierten Männerstimmen beglückte Solistengruppe zu dem vorrangig geforderten flüssigen Ensembleklang. Solistisch konnten sich alle vier innerhalb der stark durchwobenen und ständig abwechselnden Kurzpartien, auf den melodiösen wie klanglichen Einfallsreichtum des Tschechen verlassen.
Stier gelang es, die Einheiten routiniert zusammenzuführen und eine energiereiche Einheit zu schaffen. Die klare Interpretation der stets gegenwärtigen fein gefächerten Expressivität glückte ihm mühelos mit dem hörbar Dvorák-vertrauten Orchester und dem bekannten ausgewogenen Klang des Chores.
Tino Kahl (Mitteldeutsche Zeitung Halle)
DVORAK: Requiem
Solisten: Gundula Hintz - Elisabeth Wilke - Ales Briscein - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Leipziger Volkszeitung" - 27.01.2004:
Gestern wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Leipziger Thomas-Gemeinde tat dies, indem sie ihre Kirchenpforten für ein Benefizkonzert zu Gunsten der Synagoge und des jüdischen Kulturzentrums in der Hinrichsenstraße öffnete. Im vorigen Jahr begeisterten aus diesem Anlass der Monteverdi-Chor Hamburg und das Philharmonische Staatsorchester Halle unter Gothart Stier mit Musik von Schubert. Nun waren sie wieder da, mit Antonín Dvoráks Requiem opus 89.
Meisterhaft: Dvoráks Requiem in der Thomaskirche
Diese Totenmesse ist ergreifend, voller Demut und Dramatik und kommt doch ohne Pathos aus. Der Monteverdi-Chor setzt dies punktgenau um. Schlanke, gerade Stimmführung, akkurate Artikulierung, astreine Intonation und eine atemberaubende Dynamik machen die Chorsätze zu Kleinodien. Der Sopran ist frisch und hell bis zur letzten Note. Hier wird getupft, nicht gestemmt. Dies gilt auch für die Solisten des Abends. Gundula Hintz (Sopran) gestaltet berückend zarte Passagen. Leider geht zuweilen die Diva mit ihr durch, trägt sie im Forte etwas zu dick auf. Ganz anders Elisabeth Wilkes schön dunkel gefärbter Alt und Ales Bresceins wunderbar lyrisch-kraftvoller Tenor. Ralf Lukas forscher Bass klingt mitunter diffus und verwischt damit die filigranen Bögen.
Das Philharmonische Staatsorchester folgt Stiers behutsamem Schlag und besticht durch weichen Streicherklang, strahlendes Blech und warme Farbnuancen in der Holzbläserfraktion. Nicht immer alles wirklich störungsfrei, aber auch nicht steril oder abgebrüht. Die lang anhaltende Stille nach dem Schlussakkord bezeugt den Respekt vor dem Werk, der begeisterte Applaus würdigt die musikalischen Leistungen aller Beteiligten.
Bei dieser schönen Musik und diesem wichtigen Zweck sollte das Gotteshaus eigentlich aus allen Nähten platzen. Da tut es weh, dass so viele Plätze leer geblieben sind. Bleibt zu hoffen, dass das Glatteis draußen vor der Tür daran Schuld war.
Birgit Hendrich
"Leipzigs Neue" - 06.02.2004:
Ein Zurücklehnen gibt es in den Gewandhauskonzerten ohnedies nicht. Doch wenn Riccardo Chailly als künftiger Chefdirigent vorm Orchester steht, rücken die Gewandhausmusiker auf der Stuhlkante noch ein Quäntchen weiter vor. Sie wissen sich bis zum Äußersten gefordert und geben alles. So erklang Arnold Schönbergs frühes Sextett "Verklärte Nacht" in der Fassung für Streichorchester ausdrucksdicht und zugleich mit klarer Stimmführung wie nie zuvor. Noch stärker bewegte die Auffiihrung der ersten Sinfonie von Johannes Brahms. Chailly entlockt dem Orchester seinen ganz eigenen warmen Streicherklang in aller Eindringlichkeit, führt die Holzbläser zu zauberhafter Klangschönheit und setzt die Akzente der Blechbläser ausgesprochen kultiviert. Der Jubel war enthusiastisch.
Konzerte mit Bachs Messe h-Moll, Dvoráks Requiem, Webers "Freischütz" und Folklore
In einem Sonderkonzert führte der Gewandhauschorleiter Morten Schuldt-Jensen in der Aufführung der Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach den Gewandhauskammerchor und die Solisten (beeindruckend der Altus Daniel Taylor) souverän. Doch sein Streben nach kammermusikalischer Durchsichtigkeit ließ ganze Sätze zu sachlich, zu nüchtern wirken. Das "Et resurrexit" ("Er ist auferstanden") steigerte er in Überlegen bewältigtem schnellen Tempo ins allzu Virtuose. Dabei bewies die auf historischen Instrumenten musizierende Batzdorfer Hofkapelle, wie sich Klarheit mit Empfindungsstärke verbinden lässt.
Da forderte Gothart Stier seinen Hamburger Monteverdi-Chor und die Solisten in der Aufführung des Requiems von Antonin Dvorák in der Thomaskirche weit mehr zu emotional bewegtem Gesang heraus, vor allem in den flehenden und bittenden Sätzen. Selbstverständlich erklangen die Sätze vom Jüngsten Gericht mit der gehörigen Ausdrucksgewalt. Überzeugend gestaltete der Dirigent auch den Orchesterpart mit dem Philharmonischen Staatsorchester Halle.
Aus den fast täglichen Konzerten in der Hochschule für Musik und Theater ragte die zweimalige konzertante Aufführung von Carl Maria von Webers romantischer Oper "Der Freischütz" im Großen Saal heraus. Nicht nur Gesangsstudenten, sondern auch die Instrumentalisten im Orchester und der mit Studenten aller Fachrichtungen gebildete, von Andreas Pieske gründlich vorbereitete Chor sind gefragt. Was von ihnen in der hier besprochenen Aufführung unter der überlegen Leitung Helmut Kukuks geleistet wurde, verdient trotz aller Unterschiede insgesamt Anerkennung. Jeder der Solisten strebte, sein Bestes zu geben. Die Streicher erreichten schon beachtliche Homogenität und von den stark geforderten Bläsern (die erste Klarinettistin sei für alle hervorgehoben) war viel Gutes zu hören.
Das diesmal von Folklore geprägte "Musica nova"-Konzert des Gewandhauses mit Werken des Ungarn Bela Bartók, des Mexikaners Silvestre Revueltas und des Italieners Luciano Berio hätte die Vorbehalte gegen Neues manches zu Hause gebliebenen Musikfreundes abbauen können. Die unentwegte Besucherschar im Mendelssohn-Saal reagierte mit viel Zustimmung.
Auch das vierte der Akademischen Konzerte mit Werken von Franz Schubert, Joseph Haydn, Antonin Dvorák und Aram Chatschaturjan war ausverkauft. Die aus Dresden stammende, in Leipzig ausgebildete, jetzt als Solovioloncellistin im Orchester der Metropolitan Opera New York wirkende Dorothea Noack löste als Solistin von Haydns Violoncellokonzert D-Dur viel Beifall aus. Zu guter letzt musste der Galopp aus Chatschaturjans Bühnenmusik "Maskerade" wiederholt werden.
Werner Wolf
DVORAK: Requiem
Solisten: Gundula Hintz - Elisabeth Wilke - Ales Briscein - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Lübecker Nachrichten" - 20.01.2004:
LÜBECK - Das Philharmonische Staatsorchester Halle gastiert in ganz Europa, endlich war es in Lübeck zu hören. Die Musiker aus Sachsen-Anhalt, ein jung besetzter Klangkörper, hatten sich mit dem Monteverdi-Chor aus Hamburg zusammengetan. Gemeinsam brachten sie das selten aufgeführte Requiem von Antonin Dvorák in den Dom und schenkten der 800 Jahre alten Kirche damit ein außerordentlich musikalisches Erlebnis.
Ergreifender Dvorák
Das Requiem ist das letzte große Chorwerk des Komponisten. Echter, herrlicher Dvorák, erfüllt von weicher Böhmischer Melodik und vor allem von einer Harmonik, die bereits die Sinfonien so unvergleichlich schön ausgefüllt haben. Haupttonart ist ein düsteres b-moll, und ein durch alle 13 Teile des Werks sich durchziehendes Grundmotiv ist ein einziger langgezogener Ton, der von unteren und oberen Halbtönen umspielt wird. Es ist ein ergreifendes Symbol der Demut, der Trauer. Das von Gothart Stier ohne gestischen Aufwand straff geleitete Orchester war vom ersten Takt an, dem leisen Beginn dieses Motivs durch unbegleitete Violinen, ganz dem Eigenton Dvoráks ergeben. Herrlich der feierliche, von den erstklassigen Blechbläsern aus Halle begleitete Lobgesang, aufleuchtende Klangsteigerungen des ewigen Lichts, und die Posaunen im Tuba mirum-Satz schmetterten nicht wie bei Verdi, sondern liefen samtig wieder in das eigentümliche Halbtonmotiv ein.
Der international angesehene Monteverdi-Chor, auch in den Männerstimmen stark besetzt, bewies schmiegsam von flüsternden Stellen bis in anschwellende Klangsteigerungen hin sein Format. Mit Gundula Hinz, Elisabeth Wilke, Sopran und Alt, sowie Ales Brescein und Ralf Lukas, Tenor und Bass, setzte das Quartett leuchtender, weithin tragender Stimmen wichtige Akzente. WT
HÄNDEL: Der Messias
Solisten: Barbara Tiler - Saskia Klumpp - Nils Giesecke - Ralf Lukas
Magdeburger Kammerorchester
"Volksstimme Magdeburg" - 16.12.2003:
Magdeburg. Nur 21 Tage schrieb Georg Friedrich Händel an seinem "Messias", weitere vier Tage benötigte er zur Instrumentierung und Ausschreibung der Partitur. Die Uraufführung fand am 13. April 1742 in Dublin statt. Der Erfolg war überwältigend, Kritiker erklärten den Messias damals "für das vollendetste Werk der Musikgeschichte". Die Aufführung des Messias am Wochenende im großen Haus des Tdl, in deren Mittelpunkt der inzwischen sehr berühmte und weitgereiste Monteverdi-Chor aus Hamburg stand, wurde zu Recht stürmisch bejubelt.
Musikalisches Glanzlicht seit 1742
Monteverdi-Chor im Theater Magdeburg
von Ingeburg Friedrich
Unter der Leitung von Gothart Stier spielten Mitglieder der Magdeburger Philharmonie, und vier ausgezeichnete Solisten gaben dem festlichen Abend Glanz. Gothart Stier - er ist übrigens gebürtiger Magdeburger - leitet den Monteverdi-Chor Hamburg seit 1994. Seine zügige Interpretation war bemüht, die Dramatik des Großwerkes herauszuarbeiten. Trotz notwendiger Kürzungen war eine geschlossene Aufführung in der englischen Originalsprache zu erleben.
Ungewöhnlich für ein Oratorium, beginnt es nach der Ouvertüre mit einem Tenor-Solo, in dem verkündet wird, dass der Messias kommen wird. Nils Giesecke gab dem berühmten Accompagnato und der gesamten Tenorpartie eine kraftvolle Ausdeutung.
Die Altistin Saskia Klumpp hatte in den Höhen viel Glanz und fand zu einer eindringlichen Wiedergabe. Lieblich und insgesamt überzeugend, ganz besonders anrührend in der Weihnachtsgeschichte war Barbara Tisler, Sopran.
Zum Erfolg der "Messias"-Aufführung trug wesentlich die Magdeburgische Philharmonie bei.
HÄNDEL: Der Messias
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Martin Petzold - Ralf Lukas
Hamburger Barockorchester
"Braunschweiger Zeitung" - 09.12.2003:
Das Hallelujah aus Georg Friedrich Händels Oratorium "Der Messias" ist ein Ohrwurm. Oft gehört, fast schon ein wenig abgeschmackt und deshalb der Chor, an dem jeder gemessen wird, der den "Messias" aufführt. Der Monteverdi-Chor aus Hamburg musste den Vergleich nicht scheuen.
Halleluh - ja!
Monteverdi-Chor sang "Messias" in Wolfenbüttel
Oratorium auf Englisch
Unter der Leitung von Gothart Stier sang der Chor in der sehr gut besuchten Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis ein wunderbar schlichtes Hallelujah. Gemeinsam mit dem Hamburger Barockorchester führten die Sänger Händels Oratorium in der englischen Originalfassung auf.
Der Einstieg in den ersten Teil, die Geburt, war gemäßigt, akzentuiert und maßgeblich für den Gestus der gesamten Aufführung. Gothart Stier, selbst ausgebildeter Konzertsänger, dirigierte mit energischen Bewegungen und hielt sich eng an die Vorgaben, mitunter sogar starr.
Innerhalb der strengen Form entfalteten Sänger und Musiker eine große Stimmungsvielfalt. Klang der Einstiegssatz, Grave, würdevoll, entfaltete das Barockorchester im 13. Satz, Pifa, zarte Motive, die wie ein andächtiges Staunen, wie ein Innehalten nach dem kraftvollen Chorjubel über die Geburt Jesu wirkten.
Tenor Martin Petzold sang mit großer Sicherheit. Geschmeidig verlieh er gleichsam erzählerischen Passagen ebenso wie Arien einen gefälligen Klang. Satter und wuchtiger ertönte dagegen der Bass von Ralf Lukas, allerdings um den Preis, dass grollend tiefe Passagen eher lautmalerisch als textverständlich waren.
Ausgewogen klangen Saskia Klumpps Alt und Katherina Müllers Sopran. Im Duett "Er weidet seine Herde" gaben beide ihren Stimmen einen sanften Klang und harmonierten gut miteinander. Auch in den Arien überzeugten sie mit freundlich, klaren Stimmen.
Die Streicher trieben im zweiten Teil, Leiden und Auferstehung, den Stimmungsumschwung voran. Aufgewühlt-bewegend gelang dem Chor die Schilderung des Leidenswegs hin zu Hoffnung und Auferstehung, die dann im Hallelujah mündete. Flüsternd bis donnernd reichte die Lautstärke der freudigen Botschaft. Der Chor beeindruckte in den Höhen mit klaren Sopranstimmen.
Lobpreis
Das Lobpreis des dritten Teils, ewige Herrlichkeiten, war von hoffnungsvollen Klängen und triumphierendem Trompetenschall geprägt. Dirigent Stier setzte den Schluss erfrischend klar, so dass der Eindruck der Musik lange nachwirkte. Die Zuhörer erklatschten sich ausdauernd eine Zugabe - das Hallelujah.
Petra Sandhagen
HÄNDEL: Der Messias
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Martin Petzold - Ralf Lukas
Hamburger Barockorchester
"Weser-Kurier" - 07.12.2003:
"Die meisten von uns wären froh, wenigstens eine ernst zu nehmende Aufführung des Werkes vor dem Tode zu erleben", schrieb Shaw 1891 in der Londoner "World". Er meinte Händels "Messias" und zielte auf den seinerzeit üblich gewordenen Monumentalstil. Nun, im Dezember anno 2003 hätte er mit diesem Lebenswunsch zumindest in Bremen vermutlich keine Probleme. Gleich dreimal wird das Oratorium zelebriert. Gewiß wird auch im Dom und in Lesum "Verstand und Vermögen" mit von der Partie sein - wie jetzt in der Kirche Unser Lieben Frauen, wo der renommierte Monteverdi-Chor aus Hamburg zusammen mit dem dortigen Barockorchester und den vier obligatorischen Solisten unter Leitung von Gothart Stier eine respektable Wiedergabe präsentierten.
Illustrierende Klanglichkeit
Der "Messias" in Unser Lieben Frauen
Die Monteverdi-Choristen sangen im originalen Englisch. Das machte Sinn, weil alle deutschen Übersetzungen nur Kompromisse sein können. Die unvermeidliche Vermehrung der Silbenzahl führt bei einer Musik, die auf dem barocken Ideal des textsprechenden Gesangs beruht, zu Verzeichnungen der Akzentsetzungen. Und eine Interpretation, die wie die vernommene auf rhythmisierende Artikulation setzt, kommt wohl nur im Original zu ihrer rhythmisch treibenden und deklamierend illustrierenden Klanglichkeit.
In seiner leuchtkräftig-herben Art agierte der Chor untadelig. Das Orchester ließ sich im ersten Teil in seiner eher routinierten Spielweise nicht recht einordnen, gewann aber später zunehmend an Profil. Besonderen Anteil an einer Messias-Aufführung haben die Vokal-Solisten. Zunächst einmal befriedigte bei Bass (Ralf Lukas), Tenor (Martin Petzold) und Sopran (Katherina Müller) neben der singtechnischen Souveränität die Durchsetzungskraft der Stimmen. Über eine warm eingetönte Stimme verfügte Saskia Klumpp (Alt). Nur fehlte es bei ihr oft an kraftvoller Durchzeichnung. Gut, dass im Larghetto "Er weidet seine Herde" die Duett-Fassung gewählt wurde, in der ihre Qualitäten besser zur Geltung kamen.
Eine dramatisch zugespitzte Glanznummer lieferte Martin Petzold mit der Aria "Du zerschlägst sie mit dem Zepter". Und auch Ralf Lukas konnte in seinen Basspartien mancherlei beisteuern, was daran erinnerte, wie sehr auch der "Messias" mit der neapolitanischen Oper verbunden ist. Katherina Müller hatte ihre bewegendsten Takte in der eingängigen Sopran-Aria "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt", war darüber hinaus insgesamt die überzeugende Verkündigerin.
Gothart Stier hatte eine Gesamtfassung zusammengestellt, die mit knappen Streichungen auf genau zwei Aufführungsstunden hianuslief. Eine Verdichtung, die es ihm erlaubte, die Spannung nach dem viel strapazierten aber auch hier in seiner kunstvollen Einfachheit wieder überwältigenden "Halleluja" noch zu steigern.
Manfred Züghart
MENDELSSOHN: Paulus
Solisten: Ute Selbig - Martin Petzold - Siegfried Lorenz
Gewandhaus-Orchester
"Leipziger Volkszeitung" - 10.11.2003:
Abgesehen von der einen oder anderen Mendelssohn-Mottete konzentrieren sich die Thomaner nach wie vor auf das Schaffen J. S. Bachs.
Acht Veranstalter ein Ziel: Ein zweites großes Musikfestival
Trotzdem fanden in der Thomaskirche auch zwei Highlights statt: das Konzert des Calmus-Ensembles am Reformationstag und gestern zum Abschluss die leider zu schlecht besuchte Aufführung von Mendelssohns Oratorium "Paulus".
Der Monteverdi-Chor Hamburg unter Gothart Stier bot genau das was man beim "Elias" der Gewandhauschöre eine Woche zuvor ein bisschen vermisst hat: absolute Präsenz in den dramatischen Passagen, oder nennen wir es einfach Herzblut. Zusammen mit der traumhaften Gestaltung der Sopranistin Ute Selbig lässt das den Zuhörer dann auch gnädig darüber hinwegsehen, dass die eine Probe für das Gewandhausorchester nicht ausgereicht hat, und dass Bariton Siegfried Lorenz den Anforderungen der Titelpartie leider nicht immer genügt.
Konzertreise nach China
"Bergedorfer Zeitung" - 03.10.2003:
Schanghai (dpa). Der Hamburger Monteverdi-Chor hat am Dienstagabend in Schanghai seine erste China-Tournee mit einer besonderen Ehre begonnen: Zum ersten Mal in der Geschichte der chinesischen Handelsmetropole durfte ein ausländischer Chor bei der Gala-Veranstaltung anlässlich des chinesischen Nationalfeiertages singen. Die 55 Sänger begeisterten das Publikum mit ihrer Version des populären chinesischen Liedes "Der Gelbe Fluss", dem eindeutigen Höhepunkt der fast zweistündigen Show. Außerdem sangen sie einen Chorsatz von Johannes Brahms.
Monteverdi-Chor erobert China
Sogar beim Nationalfeiertag dabei
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Chor, der zu den renommiertesten in Deutschland zählt, während der China-Wochen in Hamburg mit dem auf Chinesisch gesungenen "Gelben Fluss" Furore gemacht. Die Aufzeichnung, die dabei entstand, war im Schanghaier Fernsehen mehr als zwanzig Mal gesendet worden.
"Auf Chinesisch zu singen, war gar nicht so schwierig", sagte Chor-Managerin Ursula Jürgens, die Witwe von Chorgründer Jürgen Jürgens. "Man musste sich halt an die komischen Silben gewöhnen." Nach zwei weiteren Vorstellungen in Schanghai wird der Monteverdi-Chor unter Leitung von Gothart Stier noch rund zwei Wochen in China auf Tournee sein und in Fuzhou, Xiamen, Guangzhou und Shenzhen auftreten. Auch in Zukunft sind weitere Projekte des Chores mit Schanghai geplant, Hamburgs Partnerstadt seit 1986. Weitere chinesische Werke will der Chor allerdings nicht einstudieren. "Wir sind ja ein deutscher Chor und wollen es auch bleiben", sagte Jürgens.
SCHUBERT: Magnificat D-Dur / Messe As-Dur
Solisten: Ingeborg Herzog - Elisabeth Wilke - Martin Krumbiegel - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
SCHUBERT: Sinfonie Nr. 8 h-moll "Unvollendete"
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Leipziger Volkszeitung" - 26.01.2003:
Pfarrer Führer freute sich am Sonnabend vor dem Benefizkonzert in der Thomaskirche auf "schöne Musik zum guten Zweck aus gedenkenswertem Anlass". Letzterer war der heutige Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der gute Zweck der Bau einer neuen Synagoge in Leipzigs Hinrichsenstraße, und die Musik war wirklich schön: Gothart Stier hatte mit dem Monteverdi-Chor Hamburg und dem Philharmonischen Orchester Halle das Magnificat, die 8. Sinfonie ("Unvollendete") sowie die "Missa solemnis" von Franz Schubert ausgewählt.
Berückender verklärter Klang in der Thomaskirche
Die Idee, Schuberts "Unvollendete" in einer Kirche zu spielen, mag auf den ersten Blick kühn erscheinen. Doch die Skepsis weicht schnell, weil Stier mit Rücksicht auf die Kirchenakustik das Tempo drosselt. So entfaltet sich ein berückender, leicht verklärter Klang, ohne die innere Zerrissenheit Schuberts zwischen Hoffnung und Verzweiflung zu verkleben. Streichelwarme Celli, die Bläserfraktion strahlend hell und pieksauber - es stimmt einfach alles.
Auch der Monteverdi-Chor ist topfit. Hat er beim "Magnificat" anfangs noch Probleme, sich gegen das Orchester durchzusetzen, so überzeugt er in der "Missa solemnis" mit ausgefeilter Dynamik. Federleichtes Piano, kraftvolles Forte. Die Artikulation ist präzise, vielleicht etwas übertrieben im "Credo".
Die Solisten des Abends sind eine Wunschbesetzung. Ingeborg Herzogs strahlender Sopran, Elisabeth Wilkes dunkler Alt, Martin Krumbiegels warmer Tenor und Ralf Lukas forscher Bass harmonisieren perfekt miteinander, als wären sie ein jahrelang aufeinander eingespieltes Team. Der andachtsvollen Stille nach dem Schlussakkord folgt der mittlerweile wohl auch in Kirchen unumgängliche Applaus. Zu Recht.
Für diesen guten Zweck hätte man sich statt der halb gefüllten Thomaskirche ein ausverkauftes Haus gewünscht. Vielleicht klappts ja beim nächsten Benefizkonzert am 2. Februar in der Alten Handelsbörse.
Birgit Hendrich
SCHUBERT: Magnificat D-Dur / Messe As-Dur
Solisten: Ingeborg Herzog - Elisabeth Wilke - Nils Gieseke - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
SCHUBERT: Sinfonie Nr. 8 h-moll "Unvollendete"
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Schleswiger Nachrichten" - 21.01.2003:
Schleswig - Hansjürgen Buyken
Eine würdige Hommage an Franz Schubert
Zwei renommierte Ensembles präsentieren im Dom Werke von Franz Schubert: Der Hamburger Monteverdi-Chor und das Philharmonische Staatsorchester aus Halle
Ein Konzert ausschließlich mit Werken von Franz Schubert? Wer da Bedenken hatte, wurde schon nach den Ersten Takten überzeugt: Ein renommierter Chor, ein erfahrenes Orchester und ein homogenes Solistenteam garantieren eine solide und angemessene Darbietung des anspruchvollen Programms. Die Sänger des Hamburger Monteverdi-Chores und die Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Halle, die am Abend zuvor schon gemeinsam im Hamburger "Michel" konzertiert hatten, wurden im St.-Petri-Dom von Dompastor Johannes Pfeifer begrüßt, der auch anerkennende Worte für das Schaffen des früh verstorbenen Musikers fand: Die "Missa solemnis" hatte Schubert als25-Jähriger komponiert. Etwa 270 Besucher hörten ergriffen diesem unsterblichen Werk mit seinen besonderen Klangstrukturen zu.
Der Monteverdi-Chor, 1955 von Jürgen Jürgens als Vokalensemble gegründet, genießt internationale Anerkennung. Seit 1994 wird er von Gothart Stier geleitet, der die Kontakte zur Saalestadt weiterpflegt und für dieses Konzert das dortige Orchester verpflichten konnte. Bewegt intonierten die 50 Chorsänger das noch im Stil der Wiener Klassik gehaltene "Magnifikat", von Schubert anfänglich als Allegro maestoso eingeordnet. Im Andante zeigten die Solisten Homogenität: Ingeborg Herzog (Sopran), Elisabeth Wilke (Alt), Nils Giesecke (Tenor), Ralf Lukas (Bass).
Die Sinfonie Nr.8 h-moll, die "Unvollendete", auch opus posthum genannt, wurde unter Gothart Stiers besonnen-energischer Leitung mit ausgewogener Dynamik dargeboten: Schon nach den anfänglichen intuitiven Bassläufen erklang das berühmte Hauptthema mit der fallenden Quart, das leitmotivisch wiederkehrte und zu einem kunstvollen Klanggebäude zusammenwuchs. Still verlief der zweite Satz "Andante con moto" - das "con moto" könnte man "mit innerer Bewegtheit" einstufen, was die "Unvollendete" besonders kennzeichnet.
Bei der "Missa solemnis" (Messe Nr.5 As-Dur) wurde deutlich, dass Schubert in die Tradition der jahrhundertealten Messkompositionen neue und eigenständige Ansätze eingebracht hat: Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Abschnitten, etwa der "Cum-Sancto-Spiritu-Fuge", die Chor und Orchester gleichermaßen korrekt durchführten. Nach Kyrie und Gloria überraschte der Chor beim Credo mit überzeugender a-capella-Einlage: die Frauenstimmen sangen das "ex Maria virgine" geheimnisvoll, die Männerstimmen das "et homo factus est" gut akzentuiert, alle zusammen das "crucifixus" wie Hammerschläge.
Bewegt wurde der Sanctus-Benedictus-Part überbracht und hingebungsvoll musizierten alle zusammen das "Dona nobis pacem". Eine würdige Hommage zum 175. Todestag des großen deutschen Musikers.
REICHARDT: La Passione di Gesù Cristo
Solisten: Katherina Müller - Martin Petzold - Jochen Kupfer
Hamburger Barockorchester
"Berliner Morgenpost" - 27.11.2002:
Mit bewundernswertem Spürsinn haben sich die Musikdetektive des Monteverdi-Chors Hamburg vor ein paar Jahren auf die Fersen von Johann Friedrich Reichardts «La Passione di Gesu Cristo» geheftet. Nach Versuchen in Königsberg und London haben sie die längst verschollene Partitur in Paris wiederentdeckt. Bei den Händel-Festspielen in Halle feierte man 1998 das wiederauferstandene Werk. Zu Reichardts 250. Geburtstag erklang es jetzt erstmals seit dem Tod des Komponisten in Berlin. Doch leider: Manchmal ist die Suche spannender als das Fundstück.
Spätes Ständchen für Reichardt im Konzerthaus
Als Musikschriftsteller und Berliner Hofkapellmeister zählte Reichardt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den führenden Persönlichkeiten des deutschen Musiklebens. Auch als Vertreter der Berliner Liederschule ist er in Erinnerung geblieben. Vor allem einige Goethe-Vertonungen unter seinen rund 700 Liedern haben die Zeiten überdauert. Die meisten seiner groß besetzten Werke sind dagegen in Vergessenheit geraten. Auch das italienische Oratorium von 1783, mit dem Reichardt nach einer Italienreise Erfolge feierte.
Die Aufführung im Konzerthaus förderte eine hübsche, im konservativen Sinn solide, nicht sonderlich originelle Komposition nach einem oft vertonten Text von Pietro Metastasio zutage. Sein Text schildert die Gefühle der Jünger nach der Kreuzigung. Reichardts Musik nimmt einen langen Anlauf. Der erste Teil wechselt hin und her zwischen dumpfem Schmerz und verzweifeltem Aufbegehren. Erst nach der Pause werden die emotionalen Ausbrüche, die Chor- und Orchesterfarben facettenreicher. Der Monteverdi-Chor Hamburg und das Hamburger Barockorchester mit historischem Instrumentarium engagierten sich nach Kräften für ihre Entdeckung.
Im Konzerthaus sind viele Sitzreihen leer geblieben. Nur Kenner und Sammler fanden sich zur großen Reichardt-Ehrung ein. Dass der Abend unter Gothart Stiers Leitung trotzdem mit Jubel endete, war der Solistenriege zu verdanken. Martin Petzold und Jochen Kupfer, vor allem aber Katherina Müller mit ihrem klangschönen, in allen Lagen sicheren Sopran und ihren blanken Koloraturbrillanten funktionierten den Geburtstagsabend zum Fest der Stimmen um.
mig
MENDELSSOHN: Elias
Solisten: Ute Selbig - Elisabeth Wilke - Nils Giesecke - Siegfried Lorenz
Mitglieder des Gewandhausorchesters Leipzig
"Leipziger Volkszeitung" - 31.10.2002:
Erst jetzt haben die Mendelssohn-Festtage wohl so richtig begonnen. Liefen am Donnerstag hauptsächlich kleinere, spezielle Veranstaltungen, präsentiert sich der berühmteste aller Gewandhauskapellmeister nun im ganz großen Rahmen. Der "Elias" ist sein letztes monumentales Werk, einer der Meilensteine im Schaffen eines am Ende wohl doch überarbeiteten Genies. Wo "Paulus" noch an Händel und Bach gemahnte, offenbarte sich sein "Elias" als ein, so weit der Gattung überhaupt möglich, unabhängiges Kunstwerk, definierte wohl endgültig das romantische Oratorium und ließ auf diesem Gebiet so gut wie keinen Platz für sichtbare Konkurrenz.
Klarsicht und triumphale Freude zum Auftakt
Dirigent Gothart Stier hat die stolze Aufgabe übernommen. Zusammen mit Teilen des Gewandhausorchesters und dem Monteverdi-Chor Hamburg spielt er am gestrigen Reformationstag ganz nebenbei auch noch zu Gunsten der Thomaskirche. Und die ist mehr als ordentlich gefüllt. Leipzig, was willst Du mehr? So findet auch Thomaspfarrer Christian Wolff eingangs die passenden Worte, als er ausdrücklich auf die Zusammenarbeit aller großen Kulturinstitutionen der Stadt (erstmals!) bei diesen Mendelssohnfesttagen hinweist. Besser spät als nie. Mendelssohn ist eben wichtiger, als er lange wahrgenommen wurde.
Stier war noch nie ein aufgeregter Vertreter seines Fachs, und so ist er von Anfang an auf Klarsicht und Erhabenheit bedacht. Das geht in Momenten zwar ein bisschen zu Lasten dramatischer Momente, offenbart aber gleichzeitig die ganze Kraft des Mendelssohnschen Koloss. Das Gewandhausorchester folgt ihm sichtlich gern, von einigen Verwaschern im Streicherblock abgesehen, und der Monteverdi-Chor ist sowieso ein guter. Als Engelsensemble schweben sie bisweilen himmlisch, und "Dank sei dir, Gott" erreicht triumphale Freude. So verzeihen sich kleine Ungereimtheiten im ganz hohen und ganz leisen Bereich von selbst.
Siegfried Lorenz ist für den Titelhelden zuständig und überzeugt. Sein Bass gebärt sich kraftvoll und deutlich, für alle thematischen Elemente trifft er den richtigen Ton. Auch Nils Giesecke erfüllt die ihm angetrauten, freilich überschaubareren Aufgaben ohne großen Fehl und Tadel. Sein "So ihr mich von ganzem Herzen suchet" gerät ihm wunderbar. Leider kann die weibliche Solistenfraktion nicht ganz mithalten. Ute Selbigs Sopran schießt im Habitus ein ums andere Mal übers Ziel hinaus, Elisabeth Wilke versteift sich zu sehr in Vibrato und Undeutlichkeit, als dass sie Engelszüge bekommen könnte. Am gelungenen Festivalauftakt ändert das indes nicht viel - auch ohne Benefizbonus.
Johannes Brandt
Sternberg - Stadtkirche
Sonntag, 18. August 2002 - 18.00 Uhr
BEETHOVEN: Missa solemnis
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Matthias Bleidorn - Ralf Lukas
Mecklenburger Kammersolisten
"Schweriner Volkszeitung" - 19.08.2002:
Duplizität der Ereignisse: 1845, zur damaligen Jahrhundertflut mit einem Pegelstand von 8,77 m in Dresden, veranstaltete das Gewandhausorchester ein Benefizkonzert mit Beethovens "Missa solemnis"; am Sonnabend veranstaltete der Musiksommer Mecklenburg-Vorpommern ein Konzert in der Warnemünder Kirche, in dem ebenfalls die große Messe Beethovens aufgeführt wurde. In kurzentschlossener Solidarität beschloss der Veranstalter, einen Teil der Einnahmen und die anschließend gesammelte Kollekte für die sächsische Stadt Grimma zu spenden (Seite 8).
"Missa solemnis" beeindruckte tief
Gothart Stier dirigierte Beethovens Messe
Hier musizierten der Hamburger Monteverdi-Chor unter seinem Dirigenten Gothart Stier (64), das tüchtig aufgestockte Orchester der "Mecklenburger Kammersolisten" und ein Solistenquartett mit den zwei vorzüglichen, ausdrucksstarken Frauen, der Sopranistin Katherina Müller und der Altistin Saskia Klumpp, mit dem Berliner Tenor Matthias Bleidorn und mit dem Bassisten Ralf Lukas. Unter Stiers Leitung verbanden sie sich zu einer bewegenden Eindringlichkeit, die, wenn sie auch nicht in jeder Facette fein geschliffen war, das Publikum tief beeindruckte und zu andauerndem Beifall bewegte. Und so ließen sie beispielsweise jenes "Miserere nobis", jene inständige Bitte um Erbarmen, die Beethoven so umfänglich und ausdrucksintensiv im Agnus Dei auskomponiert hat, gleichsam zu einer Aufforderung zu dem werden, um das da gebeten wurde. Hier, wie auch in vielen anderen Partien, ließ dieses Musizieren Beethovens so subjektive wie angestrengte Suche nach dem Metaphysischen zugleich als die praktische Frage nach dem Ort des Menschen in der realen Welt erscheinen.
Dies war keine leichte Aufgabe, und sie war nicht mit einer bloß emphatischen emotionalen Geste zu lösen. Sie verlangte höchste technische Anstrengungen und intensivste interpretatorische Bemühungen - übrigens auch das Austarieren ungünstiger akustischer Bedingungen. Und das meiste von dem, was da nötig war, haben die Mitwirkenden unter Stiers Anleitung zu leisten vermocht, besonders mit einer gleichsam präzisen Ausdrucksintensität. Stier verließ sich dabei nicht auf die landläufigen Beethoven-Muster, auf den satten Klang, den weiträumigen Schwung, sondern eher auf die gründliche Ausformung des Details, auf den, bei aller Kraftentfaltung, doch eher bedachtsamen Klang. Er gab damit diesem großen Werk auch eine suchende Nachdenklichkeit.
Heinz-Jürgen Staszak
"Ostsee-Zeitung" - 19.08.2002:
Warnemünde (OZ) Nicht alltäglich: Stehende Ovationen in einer Kirche. Einen minutenlangen Applaus ernteten die Musiker vom Monteverdi-Chor Hamburg und den Mecklenburger Kammersolisten am Sonnabendabend in der Warnemünder Kirche. Im Rahmen des Musik-Sommers 2002 spielten sie Beethovens "Missa solemnis" vor etwa 250 Besuchern.
Beethoven für Opfer der Flutkatastrophe
Konzert in Warnemünde
"Beethoven selbst bezeichnete es als sein größtes und gelungenstes Werk", erklärt Ursula Jürgens vom Monteverdi-Chor. Im Jahre 1818 begann er diese Messe ohne Auftrag zu schreiben - erst vier Jahre später war das Werk vollendet. In St. Petersburg wurde es am 24. März 1824 uraufgeführt. Doch zu seinen Lebzeiten gelang es nie zu besonderem Ruhm.
Unverständlich für alle, die am Sonnabend dabei waren. "Es war eine beeindruckende Leistung", findet Ina Böck, die mit ihrer Schwester Lena das Konzert besuchte. Sie studiert Kirchenmusik und hatte ein Ohr für die besonderen Passagen des Stückes: "Selbst das schwierige Geigensolo war ganz hervorragend", meint die Rostockerin.
Ganz besondere Anerkennung misst sie auch der Spendenaktion des Abends bei. Jeweils fünf Euro des Eintrittspreises sollen für die Opfer der Flutkatastrophe aufgebracht werden. Zusätzlich wurden freiwillige Spenden angenommen. Über 2750 Euro wurden durch das Konzert für die Aktion gesammelt. "Die Leute waren sehr großzügig", lobt Sabine Wagner, Pressesprecherin für den Musik-Sommer Mecklenburg-Vorpommern. "Es waren sogar 50 Euro-Scheine im Topf", freute sich die Pressesprecherin. Das Geld soll der Kleinstadt Grimma in Sachsen zugute kommen, die als Erste von der Flut betroffen war.
Indirekt von der Flut betroffen war auch das Konzert. Der Tenor Jaroslav Brezina konnte wegen des Hochwassers nicht aus Prag anreisen. Matthias Bleidorn vertrat ihn kurzfristig.
C.M.
"Schweriner Volkszeitung" - 20.08.2002:
Sternberg Es war wohl eines der größten Musikereignisse, die bisher in der Sternberger Stadtkirche zu erleben waren. Am vergangenen Sonntagabend boten der Monteverdi-Chor Hamburg und die Musiker der Norddeutschen Philharmonie Rostock (im Programm fälschlich als Mecklenburger Kammersolisten ausgewiesen) ein Konzert der Extraklasse.
In Sternberg Konzert der Extraklasse
"Missa solemnis" in der Stadtkirche
Dem schnellen und entschlossenen Handeln von Pastorin Ogilvie und der schönen großen Kirche ist es zu danken, dass dieses hochkarätige Kulturereignis, eine Veranstaltung im Rahmen des Musiksommers Mecklenburg/Vorpommern, in der Sternberger Kirche stattfinden konnte. "Eigentlich war als Veranstaltungsort die Kirche in Plau am See geplant", verriet die Pastorin in ihrer kurzen Ansprache. Doch deren Altarraum erwies sich als zu klein für die große Anzahl der Darbietenden. Allein der Monteverdi-Chor zählt schon 55 Mitglieder!
Auf dem Programm stand die "Missa solemnis" von Ludwig van Beethoven. Chor, Solisten (Katherina Müller, Sopran / Saskia Klump, Alt / Matthias Bleidorn, Tenor / Ralf Lukas, Bass ) und Philharmoniker boten unter der namhaften Leitung von Gothart Stier musikalische Perfektion. Gothart Stier ist selbst Oratoriensänger, war von 1991 -1994 Kreuzkantor und auch Leiter des Bachchores in München. Trotz trockener Sternberger Kirche blieben die tragischen aktuellen Geschehnisse, die Hochwasserkatastrophe, auch an diesem Konzertabend nicht außen vor. So war es dem tschechischen Tenor, für dessen Part kurzfristig Matthias Bleidorn verpflichtet werden konnte, wegen eben dieser Umstände nicht möglich anzureisen.
Die Künstler beteiligten sich mit diesem Konzert ebenfalls an den laufenden Hilfsaktionen. "Fünf Euro pro Karte sollen den Bedürftigen der sächsischen Stadt Grimma zukommen", so Gothart Stier, und er rief auch das Publikum zu Spenden auf.
Seine Worte und vor allem die wundervolle Musik haben an diesem Abend ihre Wirkung nicht verfehlt.
Ursula Prütz
Geistliche Chormusik
D. Scarlatti: Stabat Mater
A. Scarlatti: Ad te Domine
A. Scarlatti: Missa Innocenzia
F. Poulenc: Quatre Motets pour en temps de pénitence
Orgelwerke von Couperin und Händel
"Göttinger Tageblatt" - 23.05.2002:
Dieser für Händelfestspiele eher unübliche Spagat gelang bestens. Die von einem rhythmisch impulsiven Dirigat ausgehende Hochspannung tat der Interpretation jedes Werkes gut. So beließ es Gothart Stier im Kyrie der Scarlatti-Messe nicht bei ebenmäßigem Schönklang, sondern arbeitete die Kontraste auch tempomäßig stark heraus. Im Poulenc beeindruckte der etwa 50-köpfige Chor durch zartes Pianissimo und sensible Umsetzung der Wort-Ton-Beziehungen; hier als Höhepunkt die Worte Jesu am Kreuz in der Motette "Tenebrae factae sunt". Im zehnstimmigen Stabat mater von Domenico Scarlatti mussten die Sänger virtuose Chorkunst an den Tag legen. Hier erfolgt nach einigen aus dem Kontrast unterschiedlicher Besetzungen lebenden Abschnitten eine große kontrapunktische Steigerung.
Impulsiv im Dienst der Musik
Stiers Risikofreudigkeit forderte die großen stimmlichen Stärken dabei bis zum Äußersten. Wenn ein Einsatz doch nicht ganz synchron erfolgte oder eine Einzelstimme etwas übersteuerte, so tat dies dem Eindruck keinen Abbruch, dass Stier und der Monteverdi-Chor der Musik dienten und die Architektur des sehr selten gesungenen Werkes markant herausarbeiteten.
Die beiden Orgelwerke, François Couperins Offertorium aus der "Messe für die Pfarrkirchen" und Hansjörg Albrechts Eigenbearbeitung des Händelschen Orgelkonzerts in g-Moll, wurden auf ebenso hohem Niveau musiziert. Albrecht kostete die Klangvielfalt der Zungenstimmen der Jacobi-Orgel voll und hörbar mit Genuss aus. Seine Bearbeitung vermied die üblichen stereotypen Kontrastbildungen zwischen Orchester (gleich Tutti-Orgel) und Solo-Orgel (gleich Grundregistrierung). Sie folgte der Dramaturgie der Sätze durch feine Registerwechsel und viel eigene improvisatorische Zutat. Sein Spiel ist von großer spieltechnischer Perfektion, doch erschöpft es sich nie darin. Für den großen Schlussapplaus dankte der Chor mit einer Wiederholung des virtuosen Stabat-mater-Schlusses und mit dem innigen "Abendlied" von Joseph Rheinberger.
Christine Blanken
Konzertreise nach Hessen
St. Bonifazius-Kirche zu Gießen
Donnerstag, 09. Mai 2002 - 18.00 Uhr
Geistliche Chormusik
Werke von D. Scarlatti, F. Poulenc, A. Scarlatti
Orgelwerke von Couperin und Händel
Orgel: Hansjörg Albrecht
"Gießener Anzeiger" - 11.05.2002:
Susanna Lulé GIESSEN. Wildes Gewölk dräut aus der Orgel, abgelöst von heiteren Gefilden, die mit Melodiefragmenten durchzogen sind. Vollgriffige Akkorde, stark rhythmisiert, künden vom ernsten Geschehen, bis schließlich ein ruhiger, Erlösung verheißender Schlussteil mit sanfter Hand hinausführt. Die Rede ist von einer Improvisation über den Himmelfahrtstag, mit der Organist Hansjörg Albrecht im Rahmen eines Konzertes des Monteverdi-Chors aus Hamburg über das christliche Fest meditierte.
Auf wildes Gewölk folgt ruhevolle Erlösung
Überlegen gestaltetes Himmelfahrts-Konzert des Hamburger Monteverdi-Chores in der
St. Bonifatiuskirche
Kennzeichnend für das Konzert in der Gießener Pfarrkirche St. Bonifatius war die als Zwischenspiel gedachte Orgelimprovisation deshalb, da sie sehr genau den Geist dieser frühabendlichen Veranstaltung widerspiegelt. Im Programm war eigentlich eine Orgelsuite vorgesehen; sie konnte wegen technischer Unzulänglichkeiten des Instruments aber nicht gespielt werden. Die Entscheidung für die Improvisation war nicht nur ein gutes Beispiel für Albrechts musikalisches Können, sondern vor allem eine für nachdenkliche Töne, eine Entscheidung für die reine Kirchenmusik, der das ganze Konzert gewidmet war.
Dort, wo andere den Donnerstag als Vatertag bei schönstem Wetter mit Ausflügen und Grillfesten feiern mochten, zog es einige Gläubige und Musikinteressierte in die Bonifatius-Kirche. Es waren nicht übermäßig viele, gemessen an der hervorragenden musikalischen Qualität viel zu wenige. Doch tat das dem anrührenden und nachdenklich stimmenden Eindruck dieses Chorkonzertes keinen Abbruch, an dessen Ende das Publikum lange und herzlich applaudierte. Und trotz anspruchsvoll-konzentrierter, ohne Pause musizierter eindreiviertel Stunden mochte es nicht ohne Zugabe in Form eines stimmungsvollen Chorliedes von Joseph Rheinberger die Kirche verlassen. Dominiert wurde das Programm von der "1685er-Generation", also der 1685 geborenen Komponisten Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti sowie dessen Vater Alessandro Scarlatti. Dieser machte den Anfang mit dem Kyrie und Gloria aus einer Messe für Papst Innocenz XIII. aus dem Jahr 1721 und der vierstimmigen Motette "Ad te Domine levavi animam meam".
In deutlichem Kontrast zu dem strengen italienischen Kirchenstil stand die vierstimmige Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" von Bach, die mit ihren Verzierungen und endlosen Melismen und einem anderen Tonsatz frischer und extrovertierter wirkte. Auf die bereits erwähnte Orgelimprovisation über den Himmelfahrtstag folgten vier Motetten von Francis Poulenc (1899 bis 1963), die mit dem Zusatz "für eine Zeit der Buße" versehen sind. Poulencs bewusste post-romantische Anknüpfung an den Alten Stil erzeugt eine Traditionslinie, die sich aber erst dann zu eindrucksvoller Wirksamkeit entfaltet, wenn er aus der zu offensichtlichen Bindung an die musikalischen Vorbilder heraustritt und im dritten, mehr noch im vierten Stück den zeitgenössischen Stand des musikalischen Materials aufgreift und einarbeitet.
Nach einem weiteren instrumentalen Zwischenspiel, einem Orgelkonzert von Händel, bildete Domenico Scarlattis "Stabat Mater" für zehnstimmigen Chor und Orgelcontinuo den grandiosen Abschluss.
Dieses wegen seiner komplexen Struktur und der stark nachhallenden Kirchenakustik geradezu "unübersichtliche Werk", wie Dirigent Stier selbst anmerkte, wirkte in dieser tollen, von unglaublicher Kraft und Spannungsreichtum getragenen Interpretation überhaupt nicht unübersichtlich. Dazu bedurfte es eines Spitzenensembles, und als solches erwies sich schon von der ersten Note des Konzerts an der Monteverdi-Chor. Man musste sich nur die Abklänge der einzelnen Werke und Passagen anhören, um festzustellen, dass es sich bei den Hamburger Sängern und ihrem Dirigenten nicht nur um einen präzise agierenden Klangkörper handelt, sondern um tiefgründige Musiker, bei denen jedes Detail und noch das Verklingen selbst in sich gestaltet, geformt, überlegt, betrachtet und ausgestaltet wird.
Dom zu Frankfurt
Freitag, 10. Mai 2002 - 20.00 Uhr
Geistliche Chormusik
Werke von D. Scarlatti, J.S. Bach, A. Scarlatti
Orgelwerke von Couperin und Händel
Orgel: Hansjörg Albrecht
"Frankfurter Allgemeine Zeitung" - 12.5.2002:
FRANKFURT: Rückblick, Rundblick, Ausblick: so könnte man das kluge Barockprogramm des Monteverdi-Chors aus Hamburg bei den Frankfurter Domkonzerten beschreiben. Mit Alessandro Scarlattis Kyrie aus der Messe für Papst Innozenz XIII. verwies der ausgezeichnet disponierte gemischte Chor unter Leitung von Gothart Stier nämlich zunächst auf die Verwurzelung des Barocks in der Renaissance und beider Epochen in Italien. Daß der vierstimmige Satz für seine Entstehungszeit 1721 konservativ gehalten ist, verdeutlichten die Gäste zudem mit ruhig fließendem Vortrag. Das Gloria aus dieser Messe begann gar archaisch-gregorianisch. Doch kunstvoll entwickelt Scarlatti (Vater) eine seiner Zeit gemäße Tonsprache. Diese Züge modellierten die Sänger sauber heraus. Die überdeutliche Artikulation wirkte dem starken Raumhall angemessen entgegen.
Barocke Musik für die Zukunft
Domkonzert des Monteverdi-Chors VON GUIDO HOLZE
Den Alpen-Rundblick lenkte Hansjörg Albrecht hoch oben von der Domorgel zunächst nach Frankreich: Das "Offertoire sur le grand jeux" aus einer Orgelmesse von Couperin wies der Organist als typisches Beispiel des französischen Barockstils aus, mit vielen kräftigen Zungenstimmen abwechslungsreich registriert. Eine eigene Transkription stellte er von Händels Orgelkonzert Nr. 1 g-Moll op. 41 vor, wobei er im Wechselspiel von Chor- und Hauptorgel das Wetteifern zwischen Solopart und dem so gekonnt ersetzten Orchesterpart herausbrachte. Vor Händels weltgewandten Stilverquickungen war der Monolith von Leipzig zu bestaunen: Was der Thomaskantor Bach dort mit der doppelchörigen Hyperpolyphonie der Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" seinen Choristen an Schwierigkeiten zumutete, war hier ob der eleganten Leichtigkeit der Darbietung kaum nachzuvollziehen. Nicht weniger anspruchsvolle "Zukunftsmusik", bei der sich noch einmal alle Vorzüge des Monteverdi-Chors zeigten, war schließlich mit "Stabat mater" von Domenico Scarlatti (Sohn) zu erleben.
"Frankfurter Neue Presse" - 13.05.2002:
Mit Spannung hatte man den Auftritt der Sänger aus der Hansestadt erwartet, gehört das 1955 von Jürgen Jürgens gegründete Ensemble schließlich zu den renommiertesten Chören Deutschlands. Die Zuhörer im Frankfurter Dom wurden denn auch nicht enttäuscht, zeigten doch die Hamburger Choristen, dass sie selbst anspruchsvollste Literatur wie die doppelchörige Bach-Motette "Singet dem Herrn” auch in heiklen akustischen Verhältnissen zu meistern verstehen. Gothart Stier, der den Monteverdi-Chor seit 1994 leitet, versuchte durch barocke Artikulation, bei der die Töne gleichsam nur angestochen werden, das Stimmengeflecht so transparent wie möglich zu halten. Keine Frage: Die Monteverdi-Sänger agieren auf beachtlichem Niveau. Gleichwohl bewegt sich die Konkurrenz - auch die Frankfurter - auf nicht minder hohem Level. So war bei den Hamburgern durchaus noch Spielraum für Feinschliff bei der klanglichen Homogenität zu erkennen.
Ein barockes Loblied auf den himmlischen Herrn
Der Monteverdi-Chor Hamburg gastierte bei den Frankfurter Domkonzerten. Von Michael Dellith
Das rein barocke Programm war exquisit gewählt: Alessandro Scarlattis Kyrie und Gloria aus der Messe für Papst InnozenzXIII. bildete mit seiner noch dem Palestrina-Stil verpflichteten Tonsprache einen reizvollen Kontrast zu dem sehr viel moderneren, sich zehnstimmig klangsinnlich entfaltenden "Stabat mater” von Sohn Domenico Scarlatti. Im effektvollen Dialog zwischen Haupt- und Chor-Orgel gestalteten sich auch die von Hansjörg Albrecht prachtvoll registrierten Orgelbeiträge, François Couperins "Offertoire sur le Grand jeu” und Händels Orgelkonzert Nr.1 in g-Moll aus Opus4. Den nachhaltigsten Eindruck aber hinterließ die Zugabe, Rheinbergers Abendlied. Hier ließ der Chor seine romantische Ader spüren, von der man an diesem Abend gerne noch mehr gehört hätte.
"Frankfurter Rundschau" - 15.05.2002:
Hätten sie den ganzen Abend mittelmäßig gesungen und nur einen Satz des Stabat Mater von Domenico Scarlatti so, wie sie ihn dem gebannten Dompublikum darboten: Der Konzertbesuch hätte sich dennoch gelohnt. So luzide und beweglich meisterten die rund vierzig Damen und Herren des Hamburger Monteverdi-Chores das vielgestaltige Werk für Solostimmen, zehnstimmigen Chor und Continuo.
Mit dem Wind
Monteverdi-Chor im Dom
Hohe Virtuosität, beeindruckende sprachliche Sorgfalt und bis ins Kleinste kalkulierter Klang prägten auch die Interpretation des Kyrie und des Gloria aus der Missa Innnocentia a 4 und der Motette Ad te Domine levavi animam meam von Alessandro Scarlatti, dem Vater Domenico Scarlattis, vor allem aber die trügerisch leichtgängige Darbietung der technisch überaus anspruchsvollen Motette Singet dem Herrn ein neues Lied von Johann Sebastian Bach. Selten wusste ein Chor die hallende Dom-Akustik so klug zu seinen Gunsten zu nutzen, mit ihr zu segeln wie Vögel mit dem Wind, sie dort, wo es sein musste, durch klare Akzente und prägnante Artikulation zu bändigen. Wie man es eben macht, wenn man einen Ruf zu verlieren hat: 1955 gegründet, seit 1994 von Gothart Stier geleitet, zählt der Hamburger Monteverdi-Chor nicht ohne Grund zu den hörenswertesten deutschen Chören.
Mit dem Kirchen-Raum arbeitete auch Organist Hansjörg Albrecht, ließ Chor-Orgel und Haupt-Orgel in François Couperins Offertoire sur le grand jeux über die Distanz hinweg einen reizvollen Dialog führen, vergaß sich bei Georg Friedrich Händels Konzert für Orgel in g-Moll ein wenig angesichts des großen Klangpotentials der Frankfurter Domorgel, die schon viele Gast-Organisten zu massiven Registrierungen verführt hat. Aber dann erklang ja noch Scarlattis Stabat Mater. Und war so berückend schön, dass auch die wenig geschmackvolle Wahl der zweiten Zugabe (Der Mond ist aufgegangen zum Mitsingen, im Anschluss an Josef Rheinbergers Abendlied) dem positiven Gesamteindruck nichts anhaben konnte.
bec
Stadtkirche zu Bad Wildungen
Sonntag, 12. Mai 2002 - 17.00 Uhr
G.F. HÄNDEL: Messias
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Matthias Bleidorn - Stephan Heinemann
Mitteldeutsches Kammerorchester
"Waldeckische Landeszeitung" - 15.05.2002:
Bad Wildungen - Kaum war das "Halleluja" - dieser großartige, berühmte Jubelchor im zweiten Teil der "Messias"-Aufführung - in der Bad Wildunger Stadtkirche verklungen, da brandete spontaner "Szenenapplaus" an dieser dafür nicht vorgesehenen Stelle auf.
Virtuos und perfekt: Händels "Messias"
HNA-Redaktion Korbach
Die beeindruckten Zuhörer konnten ihre Begeisterung nicht zurückhalten und applaudierten lautstark und spontan. So großartig gelungen wie das "Halleluja"-Glanzstück des beliebten Händel-Oratoriums war die gesamte Darbietung durch den Monteverdi-Chor (Hamburg) und das Mitteldeutsche Kammerorchester und der Leitung von Gothart Stier. Die Reihe "Bad Wildungen Klassik 2002" der evangelischen Kirchengemeinde Bad Reinhardsquelle mbH erlebte mit diesem perfekten Auftakt eine grandiose Eröffnungsveranstaltung.
Die Reihe steht in diesem Jahr unter dem Motto "Europa zwischen Elbe und Donau". Pfarrerin Andrea Wöllenstein, Mitglied des Veranstaltungs-Kuratoriums, sagte zu Konzertbeginn, mit der Elbe mache man den Anfang. Nicht nur der "Monteverdi Chor" komme aus Hamburg, auch der Schöpfer des "Messias" habe einige Zeit an der Elbe gelebt und gewirkt.
Mit seinem "Messias" hat Händel die üblichen Regeln des Oratoriums verlassen. Für das Libretto hat Händel-Freund Charles Jennens Texte aus Worten aus dem alten und dem Neuen Testament zusammengestellt und das entstandene Werk der "Unterhaltung" zugerechnet, es als "Grand Musical Entertainment" bezeichnet. Bis heute ist es dies in bestem und wohlverstandenen Sinne geblieben, wenn man die großartige Musik in Händels "Messias" so versteht, interpretiert und nahe bringt, wie dies Gothart Stier in der Bad Wildunger Stadtkirche getan hat.
Gothart Stier ist mit dem Monteverdi Chor, dem Mitteldeutschen Kammerorchester und Solisten eine "Messias"-Aufführung gelungen, die durch Perfektion, Virtuosität, Präzision und Transparenz bis zum letzten Ton gefiel. Die erhabenen Chorpartien sangen Sängerinnen und Sänger mit stimmlicher Prägnanz, hervorragend artikuliert, ebenso rhythmisch präzise wie kraftvoll im Forte und gezügelt im Pathos. Die Musiker des Mitteldeutschen Kammerorchesters waren ebenbürtige Partner für den Chor und spielten ihren Part kraftvoll-differenziert; teilweise mit geradezu überschäumender Spiellaune.
Unter den Gesangssolisten gefiel der Tenor Matthias Bleidorn, der für einen erkrankten Kollegen eingesprungen war. Der junge Bassist Stephan Heinemann steht ganz am Anfang seiner Sänger-Karriere. Saskia Klump sang ausgewogen und musikalisch sauber formuliert mit einem warmen, gefälligen Alt. Strahlend, kraftvoll und rein der Sopran von Katherina Müller, die mit ihrer Frische und einem Schuss Keckheit zum Erfolg der Aufführung beitrug. Keiner der Solisten hatte die geringsten Schwierigkeiten mit dem englischen Text.
Stehende Ovationen gab es zum Schluss in der Stadtkirche für Chor, Orchester und Solisten - ganz besonders aber für Gothart Stier, den musik-fanatischen Perfektionisten, durch dessen souveräne Leitung die Aufführung zu einem furiosen Erfolg wurde.
(ZCM)
BEETHOVEN: Missa solemnis
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Jaroslav Brezina - Mario Hoff
Philharmonisches Staatsorchester Halle
BEETHOVEN: Missa solemnis
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Jaroslav Brezina - Mario Hoff
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Leipziger Volkszeitung" - 28.01.2002:
"Jesus war auch nichts anderes als ein gekreuzigter Jude." Mit dieser Bemerkung hatte sich Beethoven einst eine Menge Ärger eingehandelt. Dabei zählte der Heiland zu seinen ganz großen Helden. Allein konservative Kreise kamen mit dieser Definition nicht zurecht. Fast 200 Jahre später erklingt nun in der gut besuchten Thomaskirche Beethovens große "Missa solemnis" zu Gunsten der Leipziger Synagoge und des jüdischen Kulturzentrums. Ein Zeichen für das friedliche Miteinander der Religionen.
Ein Zeichen für friedvolles Miteinander
Benefiz mit Beethoven
Für solch ehrenhaftes Anliegen sind das Philharmonische Staatsorchester Halle und Dirigent Gothart Stier gern zu haben und das ist gut so. Denn häufig heiligt der Zweck die Mittel. Doch Stier und sein Gefolge liefern zusammen mit dem Monteverdi-Chor Hamburg an diesem Abend sehr Beachtliches ab. Die ersten Takte des Kyrie versemmeln sie noch recht eindrucksvoll, doch die Kraft des monumentalen Werks bleibt auch bei einigen Intonationsschwächen jederzeit greifbar. Das "Gloria" entwickelt sich prächtig, im "Sanctus" fließen die Zeilen wie warme Wasserströme. Trotz aller Wucht ist Stier kein Bombastjäger. Er begeht nicht den Fehler vieler Kollegen im wilden Klangrausch seine Linie zu vergessen. So opulent sein Beethoven auch daher kommen mag, die Fixpunkte des großen Meisters werden nie aus den Augen verloren.
Besonders die männlichen Solisten kommen Stier in dieser Hinsicht sehr gelegen. Jaroslav Brezina und Mario Hoff agieren zwar kräftig, aber immer angenehm zurückhaltend und gerade deswegen im Sinne der "Missa".
Katherina Müller mag das nicht immer in Vollendung gelingen, in Momenten zu glänzen, vermag sie trotzdem. Lediglich Saskia Klumpp hat etwas zu tief ins Vibrato-Glas geschaut. Ihr unruhiger Alt hat mehr von aufgebrachter Opernfurie als von besinnlicher Gottverehrung. Dem erfreulichen Gesamteindruck schadet das freilich wenig. So oft wird die "Missa solemnis" nun auch wieder nicht gespielt, und es zieht schon der Duft des Besonderen durchs Gemäuer. Rundum gelungene Aktion!
Johannes Brandt
BEETHOVEN: Missa solemnis
Solisten: Katherina Müller - Saskia Klumpp - Jaroslav Brezina - Ralf Lukas
Philharmonisches Staatsorchester Halle
"Lübecker Nachrichten" - 22.01.2002:
Lübeck - Ludwig van Beethovens "Missa solemnis" ist eine Herausforderung für jeden Chor - der Hamburger Monteverdi-Chor hat diese Prüfung beim Domkonzert am Sonntag glänzend bestanden.
Fulminanter Chor
Beethovens "Missa solemnis" im Lübecker Dom
Von Jürgen Feldhoff
Beethoven hat in diesem Werk die Möglichkeiten der menschlichen Stimme bis an die Grenzen ausgereizt. Was der Chorsopran in dieser Messe leisten muss, ist gewaltig. Makellos gelangen auch die schwierigsten Passagen in höchster Höhe, was bei den teilweise extrem langsamen Tempi des Dirigenten Gothart Stier um so schwieriger ist. Das "Dona nobis pacem" kam so extrem verzögert, dass man es kaum glauben mochte - eine große Leistung des Chors, in dem nur die Männerstimmen Ermüdungserscheinungen zeigten.
Ob Gothart Stier richtig daran tat, Beethovens Messe mit dem großen Philharmonischen Staatsorchester Halle aufzuführen, darf bezweifelt werden. Der Klang im Dom mit seiner schwierigen Akustik wurde durch diese Instrumenten-Massen häufig undurchsichtig. Was man vom Orchester hörte, war mehr als nur solide gespielt, eine Kammerbesetzung wäre aber wohl doch die bessere Lösung gewesen.
Unter den Solisten profilierte sich besonders die Sopranistin Katherina Müller. Sie erreichte wie spielerisch die höchsten Töne, ihre Stimme zeigte keinerlei Härten. Tragfähig und warm timbriert der Alt von Annette Markert, ebenso der Bass von Mario Hoff. Tenor Jaroslav Brezina klang gelegentlich angestrengt, aber das trübte den guten Gesamteindruck kaum. Ein eindrucksvolles Konzert.