Gothart Stier

Der Dirigent Gothart Stier erhielt seine erste musikalische Ausbildung im Stadtsingechor zu Halle, dem er bis zum Abitur angehörte. Er studierte Dirigieren und Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Leipzig und ließ sich in Privatunterricht zum Konzertsänger ausbilden.


Von 1963 bis 1991 war Gothart Stier Kantor und Organist an der Friedenskirche in Leipzig-Gohlis. Dort baute er die Friedenskantorei zu einem leistungsfähigen Oratorienchor aus. Seine Aufführungen chorsinfonischer Werke von Bach bis Verdi in der Thomaskirche fanden weit über Leipzigs Grenzen hinaus Beachtung.

Gleichzeitig wirkte er als Konzert- und Oratoriensänger im In- und Ausland. Rundfunk-, Fernseh- und Schallplatten-Aufnahmen mit Werken von Schütz bis Schönberg und Theodorakis dokumentieren sein vielseitiges Repertoire.

Nach dem Tod von Karl Richter im Jahre 1983 leitete Gothart Stier für ein Jahr kommissarisch den Münchener Bachchor und das Münchener Bachorchester. Eine Übernahme der Ensembles verhinderten die damaligen politischen Verhältnisse. Außerdem arbeitete er mit zahlreichen deutschen Rundfunkchören zusammen.

1991 wurde Gothart Stier zum 27. Kreuzkantor nach Dresden berufen. In diesem Amt leitete er bis 1994 den Dresdner Kreuzchor, einen der berühmtesten Knabenchöre Deutschlands. Gastspielreisen führten nach Kanada, Israel und Spanien. Zwei CDs mit geistlicher Chormusik dokumentieren die erfolgreiche Arbeit.

Im Mai 1994 leitete Gothart Stier als Gastdirigent für den erkrankten Jürgen Jürgens erstmals den Monteverdi-Chor Hamburg mit außerordentlichem Erfolg auf einer Konzertreise zum Ostermusik-Festival St. Petersburg. Nach dem Tod von Jürgen Jürgens übernahm er im August 1994 die künstlerische Leitung des Monteverdi-Chores.

Von 1995 bis 2010 war er außerdem künstlerischer Leiter der Robert-Franz-Singakademie Halle. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit in Hamburg und Halle hatte Gothart Stier von November 2003 bis August 2006 als Chordirektor die Leitung des Stadtsingechors zu Halle, einem der ältesten Knabenchöre Deutschlands, inne.


Von 1993-2004 war Gothart Stier Mitglied im Direktorium der Neuen Bachgesellschaft Leipzig.

Für seine Verdienste um das Kulturleben der Stadt Hamburg wurde Gothart Stier 2009 vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg mit der Bürgermeister-Biermann-Rathjen-Medaille ausgezeichnet.

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